Sonntag, September 21, 2003

Faehre nach Japan / Fushiki

Punkt 9 Uhr sassen wir senkrecht im Bett. Uns blieb fast das Herz stehen. Die Lautsprechanlage droehnte los: Fruehstueckzeit! Oh nein! Nicht jetzt schon, wir waren doch gerade erst ins Bett gegangen. Doch wir hatten durst und somit keine andere Wahl aufzustehen. Nach dem Fruehstueck legten wir uns jedoch gleich wieder hin. Dich mit schlafen wurde es nicht wirklich was. Alle halbe Stunde wurden irgendwelche Durchsagen durch den Lautsprecher gebruellt. Dabei waren wir doch so muede!!

Am Nachmittag setzten wir uns aufs Deck un die Sonne. Es war extrem warm. Ploetzlich gab es Alarm. War was passiert? Niemand schien sich jedoch an den Laerm zu stoeren. Aber dann kamen ettliche Mannschaftsmitglieder die Treppe rauf, alle mit Rettungswesten in der Hand und liefen aufs obere Deck. Ohoh! Aber sicherlich haetten sie doch etwas zu uns gesagt, falls wir sinken wuerden, oder nicht? Nach 5 Min. kamen sie alle wieder zurueck. Es war wohl doch nur eine Uebung. Dass sie sowas ueberhaupt hier machten, wo doch schon kaum auf den Zustand der Schiffe geachtet wird.

Uns wurde immer heisser. Auf dem Deck ueber uns gab es eine Schwimmbecken. 3x3x2m. Da mussten wir woh doch noch rein springen. Wir waren nur zu faul unsere Badeanzuege aus der Kabine zu holen. Ach, das wird bestimmt auch so gehen. Und schon huepften wir hinein. Oh, es war 0,5cm kalt! Uns blieb fast der Atem weg. Durch den hohen Wellengang im Meer hatten wir das gleiche auch im Becken. Es war super lustig. Natuerlich bekamen wir auch schnell Gesellschaft, wohl wegen unserer Kleidung, oder besser nicht vorhandenen Bekleidung. Wieder einmal waren wir das Highlight auf dem Schiff.

Nach ein paar Minuten legten wir uns in die Sonne zum Trocknen. Dann wurde auf einmal das Becken geleert und frisches Wasser reingefuellt. Das ist aber nett. Heisst es wir muessen da jetzt nochmal rein? Na gut!

Wir sassen noch bis 19 Uhr in der Sonne und ich bin sogar ein paar Mal eingeschlummert. Als ich das letzte Mal aufwache, war mir speiuebel. Sollte das etwa seekrank sein? War ich doch noch nie gewesen. Da kam ploetzlich Claudia gelaufen und beugte sich ueber die Reling. Das Abendessen hatten wir heute nur zu viert. Ich schluckte sicherheitshalber eine Tablette gegen Seekrankheit, so ging es mir schnell wieder besser. Claudia stand immer noch draussen als wir vom Essen zurueck kamen.

Spaeter erfuhren wir auch, warum so heftiger Wellengang war. In Suedjapan toste ein Taifun. Hatte die Mannschaft deshalb die Uebungen heute Mittag gemacht? Je spaeter es wurde, desto schaukeliger wurde es. Geradeaus laufen, ohne zu stolpern war unmoeglich. In der Naehe unserer Kabine knallte es laut bei jeder grossen Welle. Was das wohl war? Eine Tuer waere doch schon lange ins Schloss gefallen.

Samstag, September 20, 2003

Wladiwostock - Faehre nach Japan

Duschen! Noch einmal bevor es auf die Faehre geht. Ob es Wasser gibt? Zu Hause muss man sich diese Frage ja gar nicht erst stellen, aber hier. Aber ich (Nicole) hatte Glueck. Warum es hier kein Wasser gibt oder nur zu bestimmten Zeiten konnten wir leider gar nicht in Erfahrung bringen.

Gegen 12 Uhr raeumten wir unser Zimmer, keine Minute frueher als wir mussten. 2,5 Stunden spaeter soll unsere Faehre nach Fushiki/Japan gehen. Wir hatten also noch etwas Zeit. Doch mit dem schweren Rucksack laufen? Nein, nicht, wenn wir den Bus nehmen koennen. Wir wollten gerade die Strasse ueberqueren, als ein Jeep anhaelt. Der Fahrer fragte auf Englisch, wo wir denn her seien und wohin wir wollten. Er bot uns an, uns zum Hafen zu fahren. Hm, kann man dem Russen trauen? Wir zoegerten einen Moment, aber der Russe, hatte den Kofferraum bereits geoeffnet. Also gut, jetzt konnten wir nicht mehr ablehnen. Und recht war uns das ja irgendwie auch. Er faehrt uns sicher naeher an den Hafen als der Bus es koennte. Es stellte sich heraus, dass der Russe frueher auch Backpacker war und deshalb gerne hilft. Fantastisch! Aber was macht er jetzt? So geht's aber nicht zum Hafen! Wo faehrt er denn nur hin? Hm, sicher eine Abkuerzung. Dann fragte er ploetzlich, ob wir noch ein paar Minuten Zeit haetten. Ups, was hat er vor mit uns? "OK, wofuer also?" "Wollt ihr in die Wladiwostock Nachrichten?" Hae? Wie bitte? Hatten wir richtig verstanden? "Entschuldigung, was sagten sie da?" "Ich arbeite fuer Wladiwostock News und wuerde gerne ueber euch berichten." Und ob wir Zeit hatten. Unsere Faehre geht schliesslich erst um 14.30 Uhr. Wir fuhren zum Buero, aber dort scheint wohl an einem Samstag niemand zu arbeiten. Zumindest kein Kameramann. Oh je, ob das mit rechten Dingen zugeht? Aber das machte wohl nichts. Der Fahrer, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte, kam mit seiner eigenen Kamera, stellte uns zwei seiner Kollegen vor! Wir mussten unsere Rucksaecke anziehen und dann Film ab! Man fragte uns, woher wir kommen, wie uns Russland gefaellt, was wir in Wladiwostock machen, wohin es weiter geht, etc. Auch auf das Wasserproblem wurden wir angesprochen ... Natuerlich hatten Ramona und ich uns vorher abgesprochen, wollten den Russen ja nicht auf den Schlips treten und politisch korrekte Antworten geben. Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Es musste nicht mal wiederholt werden, ja nicht mal in die Maske hatten wir gemusst. Wir sind wohl doch Genies! :) Der Fahrer brachte uns dann wie versprochen zum Hafen. Erst dort stellte er sich vor. Dimitri wird den Film jetzt bearbeiten, erst dann kann er gesendet werden. Wir sollen uns bei ihm melden, wenn wir in Deutschland sind, dann schickt er uns das Video.

Er klaerte uns dann auch ueber das Wasserproblem in Wladiwostock auf: Der See, von dem Wladiwostock bisher immer Wasser bekommen hat, ist fast leer. Man koennte Leitungen legen, so dass sie Wasser von anderen Stellen bekommen. Aber dafuer moechte die Regierung kein Geld ausgeben. Das Buero des Filmteams hat so z. Bsp. 10 Stunden lang Wasser, dann 30 Stunden nichts. Speziell fuer die Toiletten ist das eklig! Und die Leute leiden natuerlich darunter! Wie sie dieses Problem wohl loesen werden? Und wann?

Im Reisebuero, wo wir unsere Paesse zurueck bekamen, erhielten wir auch unsere Tickets fuer die Faehre. Wir lernten dort auch Joyce aus Chicago kennen, die ebenfalls nach Fushiki will. Um 15 Uhr ging es dann endlich los. Erst zur Passkontrolle. Hier gibt es wohl ein Problem? Ob das daran liegt, dass wir uns nicht rechtzeitig haben registrieren lassen? Die Frau in dem Glaskasten war sichtlich ueberfordert. Sie telefonierte mehrmals, zog andere Leute uns vor. Wir standen derweil wie bepackte Esel dumm daneben. Irgendwann dann kam eine zweite Frau und dann klappte es doch. Peng! Das war der Stempel. Wir durften also ausreisen! Japan, wir kommen ...

Um 19 Uhr wurde uns dann durch den megalauten Lautsprecher angekuendigt, dass das Restaurant geoeffnet sei. Wir als hin. Wir wurden gleich mitten in das Restaurant an einen 6er-Tisch gesetzt. Warum ein 6er-Tisch? Und warum stand da ein Reserviert-Schild? Nun, das war wohl der Touri-Tisch, denn sowohl Joyce als auch Matthias und Claudia, ein Paerchen aus der Schweiz, setzten sich zu uns. Sicher lag das alles daran, dass wir das Highlight auf dem Schiff sind. Ausser uns fuenf nur Russen!

Das Essen war reichlich und ok - und uebrigens im Faehrpreis inbegriffen. Nur zu trinken gab es nichts. Warum das denn? Erklaeren konnte man es uns nicht. Spaeter zum Kuchen gab es dann Tee. Ha, jetzt musste die Bedienung aber laufen. Wir alle wollten gleich mehrere Tassen Tee trinken. Sicherlich mag sie uns jetzt schon nicht mehr.

Abends trafen wir Touris uns dann im Musiksalon. Wir waren die ersten Gaeste und viele sollten auch nicht mehr folgen. Dem Entertainer jedoch schien das nicht zu stoeren. Er legte gleich los, nur viel zu laut. An anstaendige Drinks oder gar Cocktails war fuer Ramona und mich nicht zu denken. Schliesslich hatten wir ja unser letztes Geld fuer die Tickets ausgegeben. Mit den restlichen Muenzen reichte es gerade mal fuer eine Cola. Doch scheinbar hatte man Mitleid mit uns. Ein Russe vom Nebentisch - inzwischen feierten da ca. 6 Leute eine Party - liess uns eine Flasche Wodka mit Schnapsglaesern sowie eine Karaffe Apfelsaft auf den Tisch stellen. Jetzt waren wir verloren! Wir kamen nicht mehr drumrum, wir mussten das trinken. In Russland ist es unhoeflich, eine solche Einladung abzulehnen. Aber Wodka pur? Wir trinken den ja wenigstens noch mit Orangensaft, Red Bull o. ae. Aber hier? Nix da. Den Apfelsaft zum Nachspuelen, den Wodka aber aus Schnapsglaesern. ... Als die Flasche leer war, schafften Joyce, Matthias und Claudia den Absprung. Ramona und ich wurden an den russischen Tisch gebeten. Und jetzt ging es erst richtig los. Es blieb nicht mehr nur bei Wodka, irgendwann gab's Whisky, Cognac und auch Martini. Es gelang uns nicht immer, unser Glas zu verstecken. Immer wieder wurde einfach nur nachgekippt - und dann musste man auch prosten und eben trinken. Es wurde eine richtige Party. Wir tanzten gar auf richtig schlimme Musik, das will schon was heissen. Bis 4.30 Uhr feierten wir und wieder waren wir das Highlight!

Freitag, September 19, 2003

Wladiwostock

Gegen Mittag machten wir uns auf in die Stadt. Erstmal zum Faehrterminal unsere Tickets nach Japan zu kaufen. Sie behielten unseren Pass. Hoffentlich kommen wir damit auchieder raus aus Russland. Wir hatten es naemlich versaeumt, unser Visum abzustempeln, was man normalerweise spaetestens drei Tage nach Einreise tun sollte. Wir hatten den Stempel nur durch Zufall vor 5 Tagen bekommen. Dabei hatte man uns das noch gesagt als wir unser Visum bekamen. Wieder typisch. Wir sind so'n paar Schlafmuetzen.

Das Fahrticket wollten wir mit Visa bezahlen. Is nich! Nur Cash. Also wir wieder los auf die Suche nach einem Geldautomaten. Wir hoben nur soviel ab wie wir fuers Ticket brauchten. Wir werden ja heute eh nicht mehr viel ausgeben. Der Automat stand in der Post und da wir nun schon mal hier waren, konntenwir auch gleich unser Paeckchen nach Hause schicken, Buecher die wir gelesen hatten, Landkarten und Prospekte. Was sich halt so ansammelt auf so einer Reise und nur unnoetiger Ballast darstellt. Einfach so geht das allerdings nicht. Erstmal muss alles korrekt verpackt werden. Dafuer gibt es einen extra Schalter. Langes Anstehen. Die Sachen werden erst in Paketpapier eingepackt und mit Kleister zugeklebt. Fuer die grossen Packete wurde dann ein Stueck Stoff zurecht geschnitten, welches dann zu einem Sack per Naehmaschine zusammengenaeht wurde. Das Paket wird in den Sack gestopft und dann wird die letzte offene Naht vom Sack per Hand zugenaeht. Aber noch nicht genug. Zur Sicherheit kommen auf die Naehte noch Wachssiegel. Kein Wunder, dass man ewig anstehen musste. Das Verpacken war natuerlich nicht um sonst. Ganze 6 Rubel = 20 Cent mussten wir dafuer blechen. Nun nochmal anstellen um das Paeckchen aufzugeben. Dieser ganze Akt dauerte fast 20 Min.

Zurueck im Faehrterminal zahlten wir unsere Tickets. Morgen um 14 Uhr ist Aufbruch. Wir holten Al ab, der solange draussen in der Sonne auf uns gewartet hatte. Er wollte noch ins Internet Cafe und Nicole wollte ihn spaeter zum Flughafen bringen. Somit trennten sich hier unsere Wege.

Ich ging ein bisschen spazieren und dann runter zum Strand. Setzte mich auf einen alten Bootsanlegesteg und beobachtete die Leute. Viele gingen schwimmen und ein paar Mutige kletterten auf ein altes Schiff und sprangen von der Rehling, ca 10m hoch.

Abends im Hotel traf ich mich wieder mit Nicole. Wir liessen den Abend mit Rotwein ausklingen.

Donnerstag, September 18, 2003

Wladiwostock

Heute wollten wir frueh aufstehen, um so schnell wie moeglich diese Bude zu verlassen. Aber daraus wurde mal wieder nichts. Erst um 11.30 Uhr fruehstueckten wir. Wieder ueberbackenen Toast. Und wie hatte ich (Nicole) mich auf den Kakao gefreut. Den hatte ich gestern zufaellig in einem Shop entdeckt und gleich eine grosse Packung gekauft, fuer Ramona mit. Doch beim Fruehstueck dann wurde ich enttaeuscht. Trotz brauner Verpackung stellte sich der Kakao als Milch heraus. Erst dann fiel es mir wieder ein: Die unterschiedlichen Farben der Verpackung wiesen lediglich auf den unterschiedlichen Fettgehalt hin. :(

Nach dem Fruehstueck dann aber nichts wie weg. Bus Nr. 65 und ab in die Stadt. Wir wussten, dass dieser Bus eher selten faehrt und freuten uns daher um so mehr, als er bereits nach 15 Minuten Warten um die Kurve kam. Aber was macht denn der Busfahrer? Warum faehrt der denn an uns vorbei? Dabei hatten Al und Ramona doch mit beiden Armen gewunken! Al's Enttaeuschung spiegelte sich in seinem Gesicht wider. Ramona und ich lachten nur. Dann nehmen wir eben den naechstbesten Bus. Ein Mini-Bus. Doch der fuhr nicht ins Zentrum. Irgendwo wurden wir einfach rausgelassen, der Bus fuhr einfach nicht weiter. Probieren wir Bus Nr. 7. Vielleicht klappt's ja. Wir hatten Glueck!

Im Internet-Cafe stiessen wir erneut auf Probleme mit unseren Fotos. Da nahm Al sich der Sache an. Er lud sie auf seinen HardDrive und wird sich in Irkutsk darum kuemmern. Nun hatten wir das Problem fuer dieses Mal geloest. Aber wie laeuft's beim naechsten Mal? Muessen wir uns etwa doch noch einen HardDrive kaufen?

Spaeter am Nachmittag setzten wir uns in ein Zelt in der Naehe des Strandes. Ich hatte ein Red Bull-Plakat gesehen und richtige Gelueste danach. Al ging auch gleich los, um eine Runde zu bestellen und sah es gerade rechtzeitig. Hier war Red Bull ein starkes amerikanisches Bier! So ein Mist! Dabei verleiht das doch bestimmt keine Fluegel!

Fuers Abendessen gingen wir ein letztes Mal zu unserem Italiener. Es war unser letzter gemeinsamer Abend zu dritt - Al fliegt morgen zurueck nach Irkutsk - und Al sollte mal so richtig gut italienisch essen. Aber nichts schien wie zuvor. Die Bedienung, ein Haeschen, war wohl neu hier. Wir hatten eine Vorspeise und Pizza bestellt und was macht sie? Bringt uns erst die Pizza! Hallo, noch ganz fix? Wohl noch nie auswaerts essen gewesen oder was? Also nee, so laeuft das hier nicht. Erst die Suppe, dann die Pizza. Aber damit nicht genug. Das Haeschen raeumte auch noch unsere Platzteller ab. Was soll das denn jetzt? Doch wir liessen sie machen. Sie brachte uns dann die Suppe, die natuerlich nur noch lauwarm war. Und womit sollen wir die essen? Loeffel hatten wir naemlich auch noch keine ... Oh je, sie muss noch viel lernen. Ist ja auch ein schwerer Job...

Mittwoch, September 17, 2003

Wladiwostock

Nicole weckte mich als das Fruehstueck fertig war. Sie hatte es mit Al zusammen gezaubert. Es gab Toast mit Tomaten und Kaese ueberbacken. Sogar mit dem guten Cheddar Kaese. Oh, wie lecker! Al wollte heute in die Stadt um seinen Flug nach Irkutsk zu buchen. Nicole und ich wollten lieber im Appartement bleiben, hatten nicht wirklich Lust auf den weiten Weg. Dies waere nun eine gute Gelegenheit, unsere Tagebuecher mal wieder auf den neusten Stand zu bringen. Al bekam wieder eine Einkaufsliste mit und unsere Waeschezettel, so kann er auf dem Rueckweg unsere so guenstig, frisch gewaschene Waesche mitbringen. Wir begleiteten Al bis kurz vor die Bushaltestelle und gingen dann in die kleinen Laeden Eier fuer unseren Kartoffelsalat zu kaufen und ein paar Flaschen Wein. Dann gung es zurueck zum Appartement und wir stuerzten uns frischen Mutes, mit einem Flaeschchen Rotwein, auf die Berichte. Wir kamen war gut voran, doch waren wir lange noch nicht fertig als Al zurueck kam.

Er schien etwas betrippst. Was ist passiert? Ich, ich, ... habe eine schlechte Nachricht fuer euch. Hae??? Naja, es hat mit eurer Waesche zu tun. War sie etwa eingelaufen? Oder verfaerbt? Ein T-Shirt zerrissen? Wir dachten uns saemtliche Variationen aus und fanden es sehr belustigend. Aber Al nicht. Er schien sich wirklich Sorgen zu machen, wollte aber nicht so richtig raus mit der Sprache. Nun sag schon! Hattest du etwa keine 110 Rubel mehr und wir muessen die Waesche morgen abholen gehen? Nein, aber es ist ein bisschen teurer geworden als angenommen. Na, wenn's weiter nichts ist. Da gab Al mir (Ramona) meinen Waescheettel zurueck und wies auf eine Stelle. Es stand dort: USD! Oh!!! Dann schrie ich los vor lachen! Ich zeigte es Nicole. Auch sie musste lachen. 110 USD fuer je 3 T-Shirts, 1 Hose und etwas unterwaesche! Nicht schlecht! Wie konnte wir auc hnur so doof sein?! Es war immerhin ein 4 Sterne Hotel gewesen und die wuerden fuer 3 Euro doch keinen Finger krumm machen. Und so was passiert uns! Mir, wo ich doch ueber 10 Jahre im Hotel gearbeitet hatte und Nicole, die von berufswegen staendig mit Hotels zu tun hatte. Ueber soviel Bloedheit konnte man nur lachen. Al war nun sichtlich erleichtert dass wir es mit so viel Humor nahmen.

Nicole machte sich nun an die Salatsauce fuer unseren Kartoffelsalat. Al hatte alle Zutaten bekommen, auch unser Spueli hatte er dabei. Wir machten derweilen den Abwasch. Endlich wurde mal alles sauber. Dann kam uns in den Kopf, dass wir garnichts zum dazuessen hatten. Da machten Al und Nicole sich nochmal auf den Weg um etwas Wurst zu kaufen. Kurze Zeit spaeter war es endlich so weit, selbstgemachter Kartoffelsalat mit Wurst und Rotwein. Goettlich!

Dienstag, September 16, 2003

Wladiwostock

Es war mal wieder soweit. Ich (Nicole) und mein Durchfall! Mal wieder wurde ich durch das Rumoren meines Magens wach. Aber dieses Mal war es nicht das Halten des Zuges, dass mich davon abhielt, aufs Clo zu gehen. Nein, dieses Mal gab's kein Wasser. Ich konnte doch nicht ... oder doch? Lieber nicht. Wie wuerde denn die Toilette aussehen? Und wie wuerde es stinken? Nee, nee, lieber noch etwas liegen bleiben und hoffen ... Warum immer ich?? Aber was war das? Duschte da nicht jemand? Yippieh, dann musste es auch Wasser geben!

Wir wollten gerade in die Stadt, als uns einfiel, dass wir mal im Hotel unseren Aufenthalt verlaengern sollten. Wir wollten doch bis Samstag bleiben. Aber da gab's wohl ein Problem. Wie? Das Hotel ist ausgebucht? Warum das denn? Wer geht denn in ein Hotel, wo es nur zu bestimmten Zeiten Wasser gibt? Ach man, und jetzt? Wo sollen wir denn hin? Uns fehlte ein Zimmer fuer zwei Naechte, ab Donnerstag koennen wir wieder hier uebernachten. Hmmm. Wo sollen wir denn jetzt nach einem Hotel suchen? Aber man schien Gnade mit uns zu haben, man wollte uns zumindest helfen. Die Rezeptionistin waehlte eine Nummer und fragte nach zwei Zimmern fuer Al, Ramona und mich. Aber so gut konnten wir inzwischen auch schon Russisch. Ausgebucht. Die naechste Nummer. Nee, is nich. Noch 'ne Nummer. Auch nix. Das gibt es doch nicht. Die Filmfestspiele sind doch schon vorbei! Aber dann ... da gab's noch eines. Allerdings 20 Minuten mit dem Bus. Auch das noch! Aber es blieb uns wohl nichts anderes uebrig. Egal, wie guenstig das neue Hotel ist, ab Donnerstag wollen wir wieder in 'unser' Hotel. Und dass die bloss die Reservierung fuer uns machen!Wenigstens durften wir unsere schweren Rucksaecke dort lassen. Wir nahmen nur das Noetigste mit: Waschbeutel, 'ne frische Unterhose, Tagebuch. Dann machten wir uns auf den Weg. Mit dem Bus. Aber wo faehrt der denn hin? Wie sieht es denn hier aus? Wo sind wir hier nur hingeraten? Die Gegend war alles andere als schoen. Alles so heruntergekommen, schaebig und kaputt. Und hier soll es ein Hotel geben? Hier will doch keiner freiwillig leben! Die Adresse fuehrte uns in ein Buero. Als wir das Gebaeude betraten, mussten wir uns fast die Nase zuhalten. Ob wir hier richtig sind? Nun, es war wohl ein Heimbuero. Legal? Wer weiss das schon ... Eine etwas dickliche Frau oeffnete uns die Tuer und bat uns gleich herein. Sie quetschte sich hinter ihren Schreibtisch, wir drei auf dem Sofa sassen vor ihr wie auf einer Anklagebank. Zum Glueck war Al dabei, sein Russisch war schon wesentlich besser als unseres. Schnell hatte man uns eine Wohnung mit drei Zimmern angeboten, fuer ca. 45 Euro pro Nacht. Oh je, die wollen wir erst einmal sehen. Wo ist denn die? Ca. 20 Minuten von hier. Zu Fuss. Auch das noch! Gott sei Dank hatten wir unsere grossen Rucksaecke gar nicht erst dabei! Bei uns wuerde man die Gegend durchaus als Slums bezeichnen. Aber wir hatten nicht wirklich die Wahl, oder? Wir schauten uns die Wohnung grob an und entschieden uns dann dafuer. Die ganze Chose kostete uns mehrere Stunden. Der ganze Tag war dahin!

Aber wir mussten ja wieder in die Stadt, wollten ja unsere Waesche abgeben. Im Hotel mussten wir dann einen Zettel ausfuellen und jedes einzelne Teil auflisten. Dann wurde zusammen gerechnet. Klasse. Nur 52 bzw. 58 rubel, umgerechnet ca. 3 Euro. Beschwingt und gut gelaunt gingen wir dann ins Internet-Cafe. Al schickten wir einkaufen. Seine Einkaufsliste war ewig lang. Wir versuchten derweil unsere Fotos an Tom, unseren Webmaster, zu schicken. Es war jedoch zum Maeuse melken. Es klappte mal wieder nicht. Ob wir das jemals hinbekommen?

Es dauerte uns zu lange bis Bus Nr. 65 kam. Also genehmigten wir uns mal wieder ein Taxi nach "Hause". 200 Rubel, 6 Euro - die konnten wir uns gerade noch leisten. Haette der Fahrer aber gewusst, durch welche Gassen und Schlagloecher er uns kutschieren muss, haette er sicher mehr verlangt. Jetzt ist es zu spaet. :)

Zurueck in der Wohnung mussten wir erst einmal sauber machen. Aber womit? Im Schrank standen naemlich fast ausschliesslich benutzte Toepfe. Und das Geschirr, das sauber war, klebte ueberall fest. Der Tisch koennte auch mal wieder abgewischt werden.

Zum Glueck hatten wir ja etwas Clopapier - und immerhin hatte man uns auch etwas Wasser abgefuellt. Obwohl, wer weiss, wie lange das schon hier steht? ... Nun, man gewoehnt sich an alles. Und das Essen schmeckte sogar. Noch etwas Rotwein dazu - eigentlich geht es uns doch gar nicht so schlecht.

Nach dem Essen setzte ich die 2kg Kartoffeln auf. Mal sehen, russische Pellkartoffeln. Schliesslich sollte es morgen Kartoffelsalat geben. Immer wieder schaute ich nach den Kartoffeln. Aber scheinbar nicht gut genug oder nicht oft genug. Denn als ich noch einmal in den Topf sah, war die Schale mit einem Teil der Kartoffel abgepellt. Einiges war nur noch Matsch! Na prima! Gut gemacht, Nicole! Die muss ich erst mal abkuehlen lassen und dann retten, was zu retten ist.

Montag, September 15, 2003

Wladiwostock

Zusammen mit Al gingen wir in die Stadt. Wir wollten einen Waschsalon suchen. Unsere Klamotten hatten auch mal wieder eine Dusche noetig. Wir wussten zwar in welcher Richtung er sein sollte, aber fanden nichts. Wir fragten nochmal nach und man schickte uns zu einem Hotel. Gerne koennten wir unsere Waesche bringen. Der Page zeigte uns die Waescherei und wir sagten, wir wuerden morgen mit dem Zeug vorbeikommen. Klasse, da hatten wir das Problem ja schon mal geloest.

Zum Mittag gingen wir zum "Magic Burger". Der russische Mc Donalds. Entweder liebt man ihn oder ekelt sich. Wir taten letzteres.

Wir spazierten am Hafen entlang. Da dachten Nicole und ich dass wir ja mal ein paar Skipper fragen koennten, ob sie nach Japan fahren. Vielleicht koennten wir ja irgendwo mitfahren. Leichter gesagt als getan. Wir hatten ein bisschen Schiss. Immerhin mussten wir das ja auf russisch machen. Wir nahmen unseren Mut zusammen und gingen auf ein altes verrostetes Schiff. So sahen die Schiffe hier alle aus. Das Woerterbuch fest umklammert. Wir hatten uns die Woerter schon zurechtgelegt. Und tatsaechlich, man verstand uns. Doch leider verwies man uns auf die Faehre. Die Frachtschiffe hier wuerden nicht nach Japan fahren.

Somit gingen wir zum Faehrgebaeude. Das erste Buero wollte 270 USD haben. Dafuer haetten wir genausogut fliegen koennen. Das naechste wollte nur 210 USD. Das hoerte sich doch schon besser an. Alle guten Dinge sind drei. Auf dem Weg zum dritten Reisebuero, welches in der Stadt hinter dem Bahnhof lag, kamen wir dann auch am Hotel Moryak vorbei. Na super! Es lag an einem ganz anderen Ende als im Buch Lonely Planet geschrieben. Und guenstiger als das, was wir hatten, war es auch nicht. Das dritte Reisebuero verlangte 235 USD fuer die Ueberfahrt nach Japan. Also doch das 2. Aber das hat Zeit bis Freitag. Die naechste Faehre geht erst am Samstag.

Zum Abend hin gingen wir mit Al in eine andere Pizzaria. Hier war es genauso lecker wie in dem Nobelschuppen. Kein Wunder, war ja auch der gleiche Besitzer, wie sich spaeter rausstellte.

Sonntag, September 14, 2003

Wladiwostock

Endlich mal wieder lange schlafen. Da wir Tanja ja gestern nicht erreichen konnten, hatten wir fuer heute auch nichts geplant. Wir machten also gemuetlich und fuhren dann mit dem Bus ins Zentrum. Es war ein wunderschoener Tag, die Sonne schien. Wir nutzten das Wetter und gingen am Strand spazieren. Und aufgepasst hier: Man sieht hier nicht den Pazifik sondern das Japanische Meer. Nicht wahr, Al? :)

Weil Sonntag war, goennten wir uns auch ein Sonntagsessen beim Italiener von gestern. Ob man uns wieder erkennen wird? Schliesslich hatten wir frisch geduscht und hatten saubere Klamotten an. ... Es wurde ein langer Abend in dem Restaurant. Wir sassen schliesslich warm, hatten Licht - was braucht man mehr, um Tagebuch zu schreiben?

Wir hatten gerade die Hotelhalle betrete, da wurden wir beide von hinten angefallen. Hilfe, wer ist das denn? Wir hatten uns zu Tode erschrocken, drehten uns um und ... Doch das gibt's doch gar nicht! Wer stand da vor uns und strahlte uns an? Al! Wir waren sprachlos. Die Ueberraschung ist ihm wirklich gelungen. Aber was ist mit seinem Visum? Das kann er auch spaeter noch beantragen. Na, das ist ihm aber frueh eingefallen. Er musste wohl erst einen Tag ohne uns sein, um zu realisieren, dass es mit uns viel lustiger ist. Maenner!

Samstag, September 13, 2003

Wladiwostock

Wir waren gerade eingeschlafen, da kam die Schaffnerin ein und machte das Licht an. Der Bloedmann in unserem Abteil musste aussteigen. Er musste packen, es war ein staendiges Gewuehle. Endlich war er ausgestiegen, fing Tanja an. Sie musste am naechsten Stop raus. Ich (Ramona) wollte doch nur schlafen! Da kam auch noch die Englaenderin von nebenan, um sich von Tanja zu verabschieden und setzte sich mit ihrem dicken Hintern fast auf meinen Kopf. Ich konnte mich noch gerade rechtzeitig retten, in dem ich mich umdrehte.

Tanja wohnt nicht weit von Wladiwostok und so verabredeten wir uns fuer Sonntag. Sie gab uns ihre Telefonnummer und wir verabschiedeten uns. Um 4.30 Uhr waren wir dann dran. Alles gepackt und um 5.20 Uhr liefen wir im Bahnhof ein. Hier war es richtig warm, wie im Fruehling! Wir liefen erstmal ohne Gepaeck los, um eine Unterkunft zu suchen. Hatten von Hotel Moryak gehoert, welches das guenstigste sein sollte. An der Adresse fanden wir auch ein Hotel, aber ein anderes. Niemand sprach hier englisch oder deutsch. Doch die Rezeptionistin war so was von lieb! Sie gab sich so viel Muehe, uns zu verstehen. Mit Haenden und Fuessen klappte auch alles. Wir bekamen ein Doppelzimmer fuer zwei Naechte. Wir freuten uns schon riesig auf eine Dusche! Es wurde mal wieder Zeit. Was machte die Frau denn jetzt? Warum stellt sie uns einen Eimer mit kaltem Wasser ins Zimmer? Wir sollten es schnell herausfinden. Einmal drehen am Wasserhahn veriet alles. Es gab kein fliessendes Wasser. Grosse Entaeuschung kam ueber uns. So legten wir uns erstmal ein paar Stunden aufs Ohr.

Wir wachten erst nach 13 Uhr wieder auf. Ob wir wohl muede gewesen waren? Wir spazierten durch die Stadt. Als erstes kamen wir an einem Kameraladen vorbei. Klasse, dann koennen wir ja schon mal unsere Bilder runterladen. Am spaeten Nachmittag kamen wir an einer Pizzaria vorbei. Wir hatten so einen Hunger. Hatten ja noch nichts gegessen heute. Wir gingen vorsichtig rein. Doch es war schon zu spaet, man hatte uns bereits gesehen und empfing uns. Es war der absolute Nobelschuppen und wir standen da mit unseren Dreckslumpen und Fetthaaren. Von den schwarzen Fingernaegeln gar nicht erst zu reden. Das war uns doch etwas unangenehm. Doch es liess sich niemand was anmerken. Wir speisten wie die Koeniginnen.

Gut gestaerkt ging es dann zum Bahnhof um unsere Rucksaecke abzuholen. Zur Feier des Tages leisteten wir uns ein Taxi zurueck zum Hotel. Es kostete ja nur 100 Rubel = 3 Euro. Im Zimmer erwarteteuns noch eine geniale Ueberraschung. Es gab fliessend Wasser! Endlich duschen!!! Wie herrlich!!! Wir versuchten noch Tanja wegen morgen anzurufen. Leider schien es eine falsche Nummer zu sein, denn es ging jemand ganz anderes ran und kannte Tanja nicht. Schade, dawird es wohl doch nichts mit dem Treffen.

Freitag, September 12, 2003

Transsib

Es war 9 Uhr als ich (Nicole) aufwachte, weil ich mal wieder musste. Ich oeffnete das Abteil und wer war das? Al. Da sass er doch glatt schon wieder da und wartete, dass wir aufstehen. Ramona schlief noch also bin ich mit Al ins Restaurant. Und jetzt sag bloss keiner, dass ich das nur gefunden habe, weil ein Mann dabei war! ...

Wir fruehstueckten und unterhielten uns stundenlang. Aber es war Al's letzter Tag mit uns und er wollte nochmal mit uns beiden zu Mittag essen. Ich musste also Ramona rufen und durfte ein Nein von ihr nicht akzeptieren. Zum Glueck brauchte ich nicht viel Ueberredungskunst.

Bevor wir in Chabarowsk ankamen, ueberreichte Al uns jeweils eine Karte. Meine war an "Superwoman" adressiert. Al nennt mich immer Superwoman. Fragt mich aber bitte nicht, warum. Auf Ramonas Karte stand "Nicole's Freundin", da Al es nie schaffte, Ramonas Namen richtig auszusprechen. Dabei ist das doch gar nicht so schwer: Ra - mo - na!

Um 16.30Uhr erreichten wir Chabarowsk, wo Al uns verliess. Hier musste er sein Visum fuer die Mongolei beantragen. Aber wir sagten ihm gleich, dass das ein "Helsinki" fuer ihn werden wuerde: Die Botschaft schliesst um 12 Uhr, es war Freitag, also wird er fruehestens am Montag sein Visum beantragen koennen. Es geht uns also nicht alleine so. :)

An einer der naechsten Stationen sah Ramona rote Johannisbeeren. Sie wollte sie unbedingt haben und kaufte eine Dose. Im Zug dann nahm sie gleich einen vollen Loeffel, steckte ihn in den Mund und ... Igitt, was war das denn? Nach ihrem Gesicht zu urteilen kotzt sie gleich. Was ist los? Nun, es waren keine Johannisbeeren sondern roter Kaviar! Muss ein guter Geschmack gewesen sein - man erwartet suesse Johannisbeeren und schmeckt stattdessen salzigen Kaviar. Aber hatte sie nicht vorher auch Tanja gefragt? Offensichtlich hatte Tanja Ramona nicht verstanden. Na, Gott sei Dank hatte Ramona nur eine kleine Dose gekauft!

Spaeter kam Sven, ein Schwabe, zu uns ins Abteil und wir tranken Wodka mit ihm bevor wir schlafen gingen. Klar, dass der Bloedmann wieder nichts davon abbekam.

Donnerstag, September 11, 2003

Transsib

Wir verbrachten so ziemlich den ganzen Tag im stickigen Abteil. Wir hatten ja gestern das Karten spielen entdeckt. Es gab ja noch so viele Spiele zum Ausprobieren. Uno, Schwimm, Mau Mau und Hahn. Das war so lustig! Aber wehe, Nicole oder ich verloren...

An den laengeren Stops in den Bahnhoefen gingen wir raus und mischten uns in das Treiben der Einheimischen. Natuerlich erstanden wir wieder ein paar Leckereien fuer das Abendessen. Die Sonne schien den ganzen Tag, doch abends beim letzten Stop waren es nur noch kalte 6 Grad. Brrr. Irgendwann spaet hatten wir keine Lust mehr auf Karten. Ja, sowas gabs auch. Aber was sollten wir nun machen? Raetselstunde! Das Beste kam von Al: In einem luftdichten verschlossenen Raum ist eine Gluehlampe. Ausserhalb dieses Raums sind drei Lichtschalter. Wie kann man herausfinden, welcher Schalter die Lampe in dem Raum anmacht, wenn man nur 1x in den Raum gehen darf? Es gibt keine Fenster und es schimmert nichts raus. Na? Viel Spass. Sind gespannt auf eure Antworten.

Mittwoch, September 10, 2003

Irkutsk - Wladiwostock

Um 3.30 Uhr stiegen wir alle in den Zug. Al hatte leider nur ein Bett in Wagen 14 bekommen, also 3 Wagen weiter. In unserem Abteil waren zwei Betten bereits belegt. Tanja, eine junge Russin, die Deutsch studiert und ein anderer Russe. Wir hatten Tanja gleich in unser Herz geschlossen. Nicht nur, weil sie Deutsch sprach. :) Aber das half uns natuerlich viel. Sie fragte den anderen Russen auch gleich, ob er mit Al das Bett tauschen wuerde. Aber er wagte es tatsaechlich, nein zu sagen. Bloedmann! Das wuerde er in den naechsten Tagen noch zu spueren bekommen!

Al kam spaeter auch nochmal zu uns ins Abteil. Als die anderen schlafen wollten, bin ich (Nicole) mit Al raus auf den Gang. Wir waren beide nicht muede. Es dauerte ja auch nicht mehr lange und es wurde bereits hell. Wir konnten den Sonnenaufgang leider nicht sehen, starrten dennoch immer nur aus dem Fenster. Ausser Baeumen gab es jedoch nicht viel zu sehen. Wir sind dann weiter in den naechsten Wagen, dort waren die Fenster auf der anderen Seite. Und jetzt konnten wir auch den Baikalsee sehen. Aber klar doch, das hatte ich ganz vergessen. 270 km faehrt der Zug an der Kueste des Sees vorbei. Wer weiss, wieviel wir schon verpasst hatten?!

Schliesslich hatten Ramona und ich ja auch schon die Grenze zwischen Europa und Asien verpennt. Al und ich ueberlegten lange, ob wir Ramona auch wecken sollten. Sie war so muede und hatte ja bereits am Bahnhof geschlafen. Sie ist sicher froh, dass sie jetzt endlich ihre Ruhe hat. Wir dachten, wir wuerden ihr etwas Gutes tun...

Eigentlich war der Blick auf den Baikalsee nicht anders als der auf jeden anderen See auch gewesen waere. Und doch war es der Baikalsee - irgendwie etwas Besonderes. Die 270 km jedoch zogen sich endlos hin. Ich wurde immer mueder und mir fielen fast die Augen zu. Aber ich wollte nicht ins Bett gehen, nicht solange man den See noch sehen kann. Typisch Nicole! Bis um 8.30 Uhr musste ich noch ausharren. Dann "durfte" ich gehen. Als ich ins Abteil kam, war Ramona bereits wach. Ich erwaehnte kurz die Fahrt vorbei am See und da fiel es auch ihr wieder ein. Das waere ihr Highlight gewesen und sie hatte es verpennt. Sie aergerte sich wahnsinnig! Haetten Al und ich das gewusst, haetten wir sie natuerlich geweckt!

Spaeter am Tag spielten wir alle zusammen Karten. Alle bedeutet Tanja, Ramona, Al und ich. War klar, dass der Bloedmann nicht mitspielen durfte. :) Es war auch klar, dass wir nicht Karten spielen konnten, ohne Wodka zu trinken. Aber das war wohl nur fuer Al und Tanja richtig lustig. Ramona und ich konnten naemlich noch schlechter verlieren als in nuechternem Zustand. Und wer uns kennt ... Wir wurden richtig kratzbuerstig und jedes Mal, wenn die andere verlor, freuten wir uns wie kleine Kinder. Waren wir es aber selbst, die verloren hatten, wollten wir es nicht wahr haben. Es war alles einfach nur unfair.

Dienstag, September 09, 2003

Khuzir - Irkutsk

Heute ging es zurueck nach Irkutsk und weiter mit der Transsib Richtung Wladiwostock. Wir verabschiedeten uns von Nikita. Das Geld hatte gerade eben noch gereicht, um die Huette zu bezahlen. Jetzt hatten wir keinen Penny mehr. War gut abgepasst.

Der Kleinbus wartete schon auf uns. Der Fahrer half uns mit den Rucksaecken und verstaute sie auf den zwei hinteren Plaetzen. Wir waren nur drei Fahrgaeste. Klasse, so koennen wir ja noch ein bisschen schlafen. Denkste! Staendig wurden neue Leute eingeladen und bald war der Bus voll. Die Rueckfahrt im Bus gar viel angenehmer als die Hinfahrt im klapprigen Auto.

Um 15 Uhr erreichten wir den Busbahnhof in Irkutsk. Leider war hier Endstation und nicht am Zugbahnhof. Wir schnallten die schweren Rucksaecke auf und wollten gerade losmarschieren, als der Fahrer uns zurueck hielt und um Geld anhaute. Wir sollten die Fahrt bezahlen. Bezahlen? Quatsch, wir haben doch die Bustickets. Doch die wollte er nicht. Nur Cash! Tja, da hatte er aber Pech, wir hatten ja nichts mehr. Wir erklaerten ihm, dass wir die Tickets fuer die Rueckfahrt von Olchon nach Irkutsk so bekommen hatten, doch was muehten wir uns eigentlich ab? Er verstand doch sowieso nichts. Da kam uns eine englisch sprechende Frau zu Hilfe. Die einzige Moeglichkeit an Geld zu kommen war, nun die Tickets am Busschalter wieder umzutauschen. Nach einigen Diskussionen klappte es auch. Ich (Ramona) gab dem Fahrer das Geld und was sagte er? Wir sollten jeweils zwei Tickets zahlen weil die Rucksaecke so gross waren. Jetzt gehts ja wohl los! Es ist doch nicht unsere Schuld, wenn er sie auf zwei Sitzplaetze stellt anstatt in den Kofferaum. Ich sagte ihm, er solle das mit Nikita klaeren, wir haetten kein Geld mehr. Und letztendlich gab er auf. Jetzt aber schnell weg bevor er es sich nochmal anders ueberlegt.

Wir gingen Richtung Bahnhof und kamen ploetzlich an dem Internet Cafe vorbei in dem wir uns mit Al treffen wollten. Also gingen wir erst da rein. Wir sahen noch mal in unsere Portemonnaies und fanden tatsaechlich noch so viel, dass wir das Internet bezahlen konnten. Na, wenn das der Busfahrer wuesste. Wir hatten uns gerade eingeloggt, da klopfte Al uns schon auf die Schulter.

Das hat ja super geklappt. Nicole hatte mal wieder Probleme mit AOL, sie kam nicht rein. Ich hatte noch einige Mails zu beantworten und somit gingen Nicole und Al zum Bahnhof um unsere Rucksaecke wegzuschliessen. Sie waren gerade 10 Min. weg, da oeffnete ich eine Mail von Hugo aus Gjesvaer. Oh nein! Was fuer eine schlimme Nachricht! Svein-Thore, der uns mit seinem Auto von Gjesvaer bis Rovaniemi gebracht hatte, war gestorben. Das kann doch nicht sein! Er war doch noch gar nicht alt. Sein Herz haette einfach aufgehoert zu schlagen, hies es. Als Nicole zurueck war, schrieben wir einen Beileidsgruss zurueck. Jetzt waren wir so kurz vor Wladiwostock und haetten ihm endlich die Postkarte schicken koennen, die wir ihm so oft verprechen mussten. Es hat nicht sollen sein.

Al hate auch ein Ticket fuer die Transsib bekommen. Er verlaesst uns aber ca. 15 Stunden vor Wladiwostok wieder, da er in die Mongolei will. Unser Zug fuhr erst um 3.50Uhr, so hatten wir noch jede Menge Zeit. Den Abend verbrachten wir mit Al in einem Bierzelt mit Freilichtdisko am Fluss. War total witzig, den Kids hier zuzusehen. Sie kleideten sich und tanzten noch wie wir in Deutschland vor fast 15 Jahren.

Montag, September 08, 2003

Khuzir

Wir hatten Glueck! Schon um 10.30 Uhr konnten wir die grosse Tour in den Sueden starten. Zusammen mit Gregory und zwei Ungarn. Al hatte sich bereits heute morgen auf den Weg nach Irkutsk gemacht, wir werden ihm morgen folgen.

Zuerst also an einen kleinen See, der auf natuerliche Weise durch eine Sandduene vom Rest des Baikalsees getrennt wurde. Dieser kleine See ist im Herbst/Winter eine beliebte Anlaufstelle fuer Fische, im Sommer dagegen sehr beliebt zum Schwimmen. Gregory erzaehlte uns von den verschiedenen Winden am See. Da, wo es Wald auf der Insel gibt, ist auch kaum Wind. Und im Winter, wenn der komplette See mit einer meterdicken Eisschickt bedeckt ist, gibt es dort auch keinen Schnee. Der wird vom Wind weg geweht.

Am naechsten Stopp lernten wir, warum der See so klar ist. Es gibt Millionen von 0,1mm kleinen Krebsen, die alles auffressen. Wuerde man z. Bsp. eine Leiche in den See werfen, wuerde man davon nach drei Tagen nichts mehr sehen. Das Wasser im See ist also fast wie destilliertes Wasser mit einem Salzgehalt von 0,001g/l. Man kann das Wasser zwar trinken, aber auf Dauer ist das natuerlich ungesund, da es keine Mineralstoffe enthaelt.

Dann erzaehlte Gregory uns von einer wunderschoenen Birke, die mutterseelenalleine auf weiter Flur steht. Frueher lebte dort ein Schamane, der kurz vor seinem Tod gesagt haben soll, dass er als Baum wieder kommt. Und nach seinem Tod wuchs genau an der Stelle, wo sein Haus stand, diese Birke. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, vermochte Gregory uns jedoch nicht zu sagen.

Weiter ging es zu den Graebern der Ureinwohner. Einige Leute legen heute dort Muenzen hin, weil es ein heiliger Ort sein soll.

Wir wanderten weiter zu den runden Haeusern der Ureinwohner. Die einzelnen Wohnabschnitte konnte man noch gut durch Teile der Steinmauern erkennen. Ueberall roch es nach Thymian. Der waechst hier ueberall. Warum aber nur gibt es dann bei jedem Essen Dill dazu???

Am hoechsten Punkt der Insel kann man sowohl auf den kleinen als auch auf den grossen Baikalsee schauen. Ein beeindruckendes Bild. Unvorstellbar, wie gross dieser See ist. Oft sieht man am Horizont das Land gar nicht, so dass man glauben koennte, man schaue aufs Meer. Und doch ist es "nur" ein See.

Bald schon war es Zeit fuers Picknick. Heute gab es zur Abwechslung mal Fisch. Omul, wie mindestens einmal am Tag. Den Omul gibt es nur hier am Baikalsee, ich (Nicole) musste ihn also essen. Er kann bis zu 25 Jahre alt werden. Die Fische, die man uns jedoch servierte, waren zwischen 9 und 12 Jahre. Gegrillt schmeckte er sogar richtig gut, wenn nur nicht diese laestige Arbeit mit den Graeten waere.

Gregory erzaehlte uns waehrend des Essens noch viel ueber sich, das Leben auf Olchon, dem Muellproblem, die Toiletten - Biotoilette oder doch Plumpsklo? -, seine Jahre in Deutschland, etc. - rundum ein sehr interessanter und informativer Tag!

Zurueck im Feriendorf gingen Ramona und ich nochmal in die Banja. Endlich wurde es uns mal wieder warm, hatten wir unterwegs bei ca. 10 Grad und dem heftigen Wind doch ziemlich gefroren. Spaeter goennten wir uns beide nochmal eine Massage. Dafuer reichte unser Geld gerade noch.

Sonntag, September 07, 2003

Khuzir

Nach dem Fruehstueck kam Gregory, ein russischer Tourguide, der perfekt deutsch spricht, um uns eine grosse Tour in den Sueden der Insel anzubieten. Ramona und ich waren sofort Feuer und Flamme. Endlich wuerde uns mal jemand etwas ueber den See und die Insel erzaehlen - und das auch noch auf deutsch. Aber es gab einen Haken. Es waren noch nicht genug Leute zusammen. Wir mussten also noch warten. Aber das war ja nichts Neues fuer uns.

Al hatte inzwischen herausgefunden, dass es nur sonntags und mittwochs einen Bus nach Irkutsk gibt. Aber wie konnte das denn sein? Wir hatten doch bereits ein Ticket fuer Dienstag! Muessen wir uns jetzt da auch noch drum kuemmern?! Wir erkundigten uns bei Gregory, der anbot, mit Nikita unser Busproblem zu loesen. Fantastisch! Was die Tour betrifft, musste die auf morgen verschoben werden. In der Hoffnung, dass sich dann genug Leute fuer die Tour zusammen finden.

Aber so ein freier Tag ist auch gut, um mal wieder Tagebuch und Berichte fuer die Website zu schreiben. Doch als Al sich zu uns gesellte, war es mit den guten Vorsaetzen auch schon wieder vorbei.

Am spaeten Nachmittag gings mit Al in die Banja, die russische Sauna. Vor der Banja drehte ein Filmteam eine Szene. Hm... die hatten wir doch gestern schon am Strand gesehen. Ob da ein Filmstar dabei ist? Brad Pitt vielleicht? Oder vielleicht werden wir selbst noch zu Stars? Die russische Sauna jedenfalls wurde noch mit Feuer erhitzt. Eine Frau war fuer das Holznachlegen zustaendig. Sie hatte die Sauna auch schon zwei Stunden vorher fuer uns eingeheizt. Die Hitze war gigantisch! Der Schweiss tropfte nur so von uns. Einfach herrlich entspannend! Als wir gerade draussen lagen, um uns abzukuehlen, ging die Tuer auf. Ein gut aussehender Mann trat ein, in der Hand eine grosse Schuessel. Was ist denn da drin? Das riecht aber lecker. Hmm... das ist ja Hefeteig!

Wir konnten nicht anders, wir mussten naschen. Aber der Mann spannte Frischhaltefolie darueber - wie schade - und stellte die Schuessel zu uns in die Banja. Da konnte der Hefeteig ja gut aufgehen!

Nach dem Abendessen wollten wir dann eigentlich schreiben. Eigentlich! Aber da sassen diese vier jungen Deutschen, die den Hefeteig gemacht hatten. Dieser wurde nun von den beiden Jungen zubereitet. Es gab Panfritas, ein chilenisches Nationalgericht.

Das wurden so viele, dass wir alle mitessen durften. Einfach mit Kaese oder auch mit Nutella. Hm, lecker! Von den Deutschen erfuhren wir dann auch mehr ueber das Filmteam: Die waren vom ZDF! Man hatte in Deutschland zwei Familien gesucht, die man fuer vier Monate mitten in Sibirien aussetzt. Sie sollen sich dort im sibirischen Winter alleine zurecht finden, ohne Russischkenntnisse. Das ist ein Witz! Nach Khuzir kommen so viele Touristen, vor allem Deutsche - auch im Winter. Und ausserdem ist beim Filmteam ein Pole dabei, der perfekt russisch und deutsch kann. Ist doch alles nur getuerkt! Und das beim ZDF? Bei RTL2 waeren wir ja nicht ueberrascht gewesen...

Den Rest des Abends verbrachten Al, Ramona und ich in unserer Huette - mit Wodka am brennenden Ofen (inzwischen hatten wir herausgefunden, wie man das Holz zum Brennen bringt).

Samstag, September 06, 2003

Khuzir

Heute stand ein grosser Ausflug in den Norden der Insel auf dem Plan. Rauf mit einem Boot und runter mit dem Bus. Al und die zwei Norweger wollten auch mit. Da es nur ein ganz kleines Motorboetchen war, wurden wir aufgeteilt. Nicole, Al und ich gingen zuerst ins Boot und Laila und Frode starteten die Tour im Bus. An der Nordspitze wuerden wir dann tauschen. Gesagt und Stunden spaeter getan.

Um 11.30 Uhr ging's los. Es war ganz schoen windig und frisch auf dem Boot, aber wir waren vorbereitet und hatten uns gut eingepackt. Wir fuhren entlang der Kueste, es war traumhaft! Weisse Sandstraende, Waelder und hohe Klippen. An einer Felsengruppe, die Drei Brueder, machten wir eine Zwischenpause zum Klettern. Die Felsen waren wohl an die 200m hoch. Klasse
Aussicht! Weiter ging es um die Spitze der Insel die man hier auch "Nordkapp" nennt, wie in Norwegen. Hier fliessen die zwei "Meere" des Baikalsees zusammen, der kleine Baikalsee und der grosse Baikalsee. Vom Nordkapp aus noch ein paar Kilometer auf den See hinaus, lag der tiefste Punkt des Baikalses: 1637m tief. Der tiefste See der Welt! Das Wasser war so klar, man konnte bestimmt 15-20m tief sehen. Nachdem wir das Kapp umrundet hatten, wurde der See viel rauher. Tatsaechlich wie zwei verschiedene Meere. Wir kamen zum naechsten Dorf Uzury wo wir das Boot verliessen und uns mit den anderen trafen um die Gefaehrte zu tauschen.

Es dauerte noch ueber eine Stunde bis der Bus da war. Es waren noch 5 deutsche Maedels und ein Junge dabei. Die wollten von hier mit dem Rucksack zuruecklaufen, auf einer 4 Tagestour. Dummerweise hatten sie sich nichts zu essen mitgenommen, weil sie dachten es wuerde in diesem Ort noch einen Supermarkt geben. Zu dumm! Dabei hielt der Bus auf der Herfahrt noch an einem Laden. Nun standen sie da und fragten uns nach Keksen und Bonbons. Herrjeh, die muesen echt noch viel lernen!

Es gab mal wieder Fischsuppe zum Lunch. Was auch sonst? Als wir uns wieder auf den Weg machen wollten, gaben die Tourguides den 6 noch den Rest der Suppe und Brot. Da stellte sich heraus, dass sie nichtmal eine Landkarte von der Insel dabei hatten! Wie wollen die denn die 70km nach Khuzir zurueck finden?! Nichtmal Wasser hatten sie dabei. Ganz schoen naiv! Wenn das man gut geht!

Wir tauschten nun die Plaetze mit Laila und Frode. Die zwei gingen ins Boot und wir in den Bus. Es ging durch ein Tal zurueck dann durch einen Wald, runter zum Strand Ulan-Hushin Bay, wo frueher mal ein Konzentrationslager gewesen war. Es sah aus wie eine Wueste. Der Weg hier hin war eine Katastrophe! Es war keine Strasse mehr auf der wir fuhren, sondern nur noch Risse in der Erde. Viel schlimmer als in der Mitte der Insel. Der Fahrer machte es auch kein Stueck angenehmer. Er raste wie ein Rennfahrer. Zurueck in Khuzir fuhren wir noch an einem Supermarkt vorbei um fuer den Vodka und Rotwein Nachschub zu sorgen.

Nach dem Abendessen kam eine Massagefrau und bot ihre Dienste an. Healing massage. Oh ja! Das tat gut! Und kostete fast nichts. Nur 4 Euro fuer 20 Minuten. Und hier kam uns zum ersten mal in den Sinn, dass wir gar kein Geld mehr gewechselt hatten bevor wir auf die Insel sind. Reichte das bischen, das wir noch hatten ueberhaupt aus, um alles zu zahlen? Kreditkarte war hier unbrauchbar und eine Bank, geschweige denn einen Automaten gab es hier nicht. Ach, was solls! Da machen wir uns Gedanken drum, wenn es soweit ist.

Puenktlich zum Lagerfeuer kamen Frode und Laila. Sie hatten auch noch eine Flasche Rotwein dabei. Dann kann die Party ja losgehen. Vier Flaschen Rotwein und eine Flasche Wodka! Das Lagerfeuer machten wir uns heute selber an.

Freitag, September 05, 2003

Khuzir

Um 10 Uhr war Versammlung in der Kantine wo Nikita erklaeren wuerde, welche Ausfluege zum Angebot standen. Doch obwohl saemtliche Touris in der Kantine sassen und warteten, schien es irgendwie nicht voran zu gehen. Um 11 Uhr passierte immer noch nichts. Ist das die uns bekannte russische Puenktlichkeit? Endlich um 11.30 Uhr kam ein Bus. Zusammen mit 4 Russen und einem norwegischem Paerchen stiegen wir ein. Die Fahrt ging in die naehere Umgebung der Stadt. Ueber Berge, Waelder und Steppe mit Erdhoernchen. Eigentlich sollten wir einen Englisch sprechenden Fuehrer haben, aber den gab es nicht. 2 von den Russen konnten gluecklicherweise etwas Englisch und uebersetzten uns was der Tourguide erzaehlte.

Zum Mittag gab es Fischsuppe. Mit ganzen Fischen! Dazu gab es Tee fuer uns und die Russen zueckten eine Flasche Wodka. Sie erklaerten uns alles ueber die Tradition, dass man erst ein paar Spritzer Wodka mit den Fingern auf die Tischdecke spritzte bevor man trank. Doch auf die Idee, uns etwas abzugeben, kamen sie nicht. Das werden wir uns merken!

Nach dem Abendessen ging Nicole und Al los und besorgten etwas zu trinken. Sie kamen mit Rotwein und Wodka zurueck. Wir leerten den Wein auf der Terrasse und dann entdeckte Al das Lagerfeuer, dass normalerweise jeden Abend ab 22 Uhr brennen sollte. Wir waren die einzigen am Feuer, doch nicht fuer lange. 2 von den Russen, die mit uns auf der Tour waren, gesellten sich zu uns. Vorbei war es mit der Ruhe. Helena und Marc redeten in einer Tour. Und auf einmal glaubten wir unseren Ohren nicht zu trauen. Al bot ihnen von unserem Wodka an! Wie konnte er nur? Und "die" haben heute Mittag ihren Vodka lieber durch die Gegend gespritzt als uns etwas davon abzugeben! Der Hoehepunkt kam dann, als Al uns bat unsere Becher zu holen, damit er ihnen den Wodka einschenken konnte. Unsere guten Alubecher! Aber was blieb uns uebrig? Schliesslich hatte Al den Vodka bezahlt. Und dann waren die Russen noch so dreist, nach mehr zu fragen. Die werden uns ja wohl nun nicht die ganze Flasche austrinken! Nachdem sie uns verliessen, kehrte wieder Ruhe ein.

Der Himmel war ein einziges Sternenmeer. Sogar den Mars und die Milchstrasse konnte man sehen.

Donnerstag, September 04, 2003

Irkutsk - Olchon (Lake Baikal)

Es war gegen 5Uhr als ich (Nicole) wegen meinem Bauch aufwachte. Ich musste aufs Klo und das schnell! Doch der Zug hielt gerade in einem Bahnhof, was hiess, die Toiletten sind geschlossen. Fuer wie lange bloss?! Ich zog schon mal mein Zeug an damit ich bereit war wenn der Zug wieder losfuhr. Mir kam jede Minute vor wie Stunden. Es dauerte 20 Min. bis der Zug sich endlich wieder in Bewegung setzte. Gluecklicherweise wurde die Toilette diesmal direkt nach Abfahrt wieder geoeffnet. Ich hatte solche Schmerzen, aber es tat gut den ganzen Scheiss raus zu lassen. Nur liess man mich nicht lang in Ruhe. Jemand klopfte schon zum 2. mal an die Tuer. Ich machte das Klo frei und hoffte nur, dass die Person sein Geschaeft schnell erledigen wuerde. Es ging sehr flott, doch als ich wieder auf dem Trohn sass, wurde alles noch viel schlimmer. Ich bekam einen Schweissausbruch und konnte sehen wie ich meine Farbe wechselte. Ich hatte nicht mal mehr die Kraft, mich ueber der Toilettenschuessel gebeugt zu halten. Ich musste mich setzen, egal wie ekelhaft es war. Ich hatte keine Wahl. Dann klopfte es wieder. Noch nicht, bitte! Ich versuchte meine Hose hochzuziehen, es klappte beinahe nicht. Dann klopfte es wieder. Jetzt musste ich mich zusammenreissen. Ich kam raus und setzte mich in den Gang. Als die Frau aus der Toilette kam, sah sie das etwas nicht mit mir stimmte und bot ihre Hilfe an. Meine Finger verkrampften sich und ich konnte beide Unterarme nicht mehr bewegen. Die Frau massierte mir die Haende und brachte mir dann schwarzen Tee mit viel Zucker, aber ich konnte nicht mal die Tasse halten. Sie fuetterte mich. Schon nach dem ersten Schluck merkte ich wie mein Bauch langsam besser wurde und nach einiger Zeit liessen die Kraempfe nach. Man wollte mir einen Doktor rufen. Einen Doktor?? Oh nein, doch nicht jetzt schon, nach nur 2 Monaten Weltreise!! Mir ging es doch auch schon wieder besser. Die Tabletten, die man mir brachte, liess ich in der Hosentasche verschwinden. Wer weiss, was das fuer Zeug gewesen waere? Ich trank noch einen Tee und legte mich wieder in die Kabine. Ramona hatte von all dem nichts mitbekommen. Das war auch gut so. Ich wollte sie nicht wecken, sie haette sich nur Sorgen gemacht. Und so hat wenigstens einer von uns geschlafen.

Um 9.35 Uhr erreichten wir Irkutsk. Unsere Sorgen, dass uns hier neimand erwarten wuerde, waren umsonst. Eine deutsch sprechende russische Kollegin von Frau Knop empfing uns und haendigte uns die Bustickets und Zugfahrkarten bis Wladiwostok aus. Sie gab uns noch einige Erklaerungen mit auf den Weg und wies uns einem Mann zu, der uns mit dem Auto nach Olchon chauffieren sollte. Und schon waren wir wieder unterwegs.

Nicole hatte sich auf dem Ruecksitz lang gemacht und versuchte ihren Bauch unter Kontrolle zu kriegen. Das Auto war heftig alt und ziemlich klein. Alexander stopfte die beiden Rucksaecke in den winzigen Kofferraum. Wehe, nachher ist was kaputt! Es war ein hoellen Verkehr in der Stadt und die Strassen und Haeuser sahen nicht sehr einladend aus. Alles dreckig, grau und trostlos. Ob Irkutsk ueberhaupt eine Sightseeingtour wert sein wuerde? Wir hatten eine Strecke von 320 km vor uns. Die Strassen waren sehr schlecht und somit war an Schlaf nicht zu denken. Je weiter wir nach Norden kamen, desto weiter entfernt lagen die Doerfer. Diese bestanden nur aus Holzhuetten, teiweise extrem runtergekommen. Steinhaeuser schien es nur in den Grossstaedten zu geben. Der automatische Fensteroeffner war wohl kaputt, denn die Fenster standen die ganze Zeit offen und die Heizung bliess aus vollen Rohren. Aber nur auf die Fuese. Dass die Schuhe nicht geschmolzen waren, war alles. Um 14 Uhr erreichten wir den Faehranlegeplatz. Wir waren doch
ziemlich schnell vorran gekommen und das mit der Karre! Von hier fuhr nur eine Faehre nach Olchon, die groesste Insel im Baikalsee. Somit mussten wir noch 45 Min. warten bis wir uebersetzen konnten. Das witzige war, dass die Autos alle rueckwaerts von der Faehre fahren mussten. Welch ein Drama! Ob die Leute hier ueberhaupt einen Fuehrerschein besassen? Die Fahrt ging weiter. Nur diesmal war es fast eine Hetzjagd auf noch schlechteren Strassen. Wir bretterten mit 110 km/h ueber riesige Schlagloecher. Ob wir das wohl ueberleben? Der Fahrer wollte die naechste Faehre zurueck ans Festland schaffen. Und die war in einer Stunde.

Er brachte uns zu Nikita in Khuzir, die groesste Stadt auf Olchon, ca. 1500 Einwohner. Nikita, ein frueherer Europameister im Tischtennis, hatte sich hier ein kleines Feriendorf aufgebaut, das nicht nur auf der Insel bekannt war. Ursprunglich wollten wir ja zelten, aber der Ofen in der Huette war doch zu verlockend. Wir hatten sogar ein privates Klo hinter der Huette. Es lebte! Unser Badezimmer, ebenfalls draussen, war ein Eimer kaltes Wasser mit Schuessel daneben. Im Huettenpreis waren 3 Mahlzeiten inbegriffen. Obwohl es schon nach 17Uhr war, servierte man uns noch das Mittagessen.

Nach dem Abendessen, das wir nur 2Std. spaeter erhielten, wollten wir mit Al, einem Englaender den wir kennengelernt hatten, in die Dorfkneipe gehen, um noch ein paar Reisende zu treffen, die Al schon kannte. Wir gingen noch kurz zu unserer Huette, doch was war das? Wie schoen, Feuerholz fuer unseren Ofen. Wir wollten es gerade ins Trockene legen, als die Holzfrau uns zu Hilfe kam. Doch sie legte das Holz gleich in den Ofen und zuendete es an. All unsere Versuche sie davon abzuhalten scheiterten. Hoffentlich brennt es noch wenn wir zurueck kommen.

Die Dorfkneipe war leider geschlossen. Also kauften wir uns den Alk im Supermarkt und stellten uns auf die Strasse. Um 0.30Uhr kamen wir zurueck zur Huette. Der Ofen war leider aus. Wir gaben unser Bestes ihn wieder anzubekommen, vergeblich.

Mittwoch, September 03, 2003

Birjusa - Irkutsk

Heute stand die Taigawanderung auf dem Programm. Um 12.15 Uhr ging es los. Den Proviant fuers Mittagessen schleppten Alexej und Tanja. Ueber die Bruecke am Ortsausgang und dann quer durch den Wald. Teilweise war es ganz schoen sumpfig und man musste aufpassen, dass man nicht stolperte. Einen Weg gab es in diesem Abschnitt nicht, wir folgten einfach Tanja und Alexej. Hoffentlich wissen sie auch, wo sie hingehen. Kaum waren wir aus dem Irrwald raus, attackierten uns die Muecken. Tanja gab uns eine Creme zum einreiben, doch die wirkte auch nur so lange bis man schwitzte. Tja, Sonne und Fleecejacke, da war klar wie lange das dauert.

Als wir zum Fluss Birjusa kamen sahen wir eine Tuete im Fluss schwimmen. Sie hatte sich in einem Baum verfangen. Was das wohl ist? Eine Tuete voll Geld? Ein Totenkopf? Oder doch nur Muell? Alexej versuchte ueber den Baum zur Tuete zu balancieren, doch gab schnell wieder auf. Er hatte Angst reinzufallen. Na klar, es musste mal wieder die Frau ran. Tanja zog Schuhe und Struempfe aus und kletterte auf den Baum. Flink arbeitete sie sich bis zur Tuete vor. Diese sass ganz schoen hartnaeckig fest. Tanja bekam sie los, doch liess sie gleich wieder treiben. Sie hatte gesehen was drin war. Tatsaechlich ein Totenkopf? Das nicht, aber viel schoener war der Anblick auch nicht. Es schien doch tatsaechlich jemand eine Welpe ertraenkt zu haben.

Nach diesem aufregenden Zwischenspiel liefen wir noch ein Stueck weiter bis Alexej und Tanja uns einen Platz fuers Picknick ausgesucht hatten. Im Nu hatte Tanja etwas Reisig und Holz gesucht und Feuer gemacht. Es gab Schaschlikspiesse. Nach dieser Staerkung machten wir uns auf den Rueckweg. Obwohl es hier viele wilde Tiere geben soll, haben wir ausser Muecken und Froesche nichts gesehen. Ach doch! Ein kleines Streifenhoernchen!

Um 22.45Uhr brachte uns die ganze Familie, Tanja, Alexej und Sohn Denis zum Bahnhof. Es hiess Abschied nehmen. Die 2 Tage in Birjusa waren wirklich interessant. Wir erhielten einen tiefen Einblick ins sibirische Leben und druften selbstgezogenes und selbstgemachtes sibirisches Essen kennenlernen. Wir lernten sogar noch etwas russisch von alexej. Koennten wir doch nur schon so gut russisch wie er deutsch. Er hat es sich alles selbst beigebracht. Vielen Dank an die ganze Familie.

Im Zug nach Irkutsk teilten wir unser Abteil mit einem russischen Paar. Das ganze Abteil stank nach dem Aftershave des Mannes. Die Schaffnerin kam und holte die Tickets ab. Und diesmal mussten wir nichts fuer die Bettwaesche bezahlen. Warum denn das? Na, es war doch im Zugticket inbegriffen, erklaerte sie uns. Und warum hatten wir das letzte mal 41 Rubel bezahlt?! Haetten wir mal besser das Kleingedruckte gelesen!

Jetzt gehen wir aber mal in den Speisewagen. Ob wir ihn dieses Mal finden? Wir gingen doch gerade noch dran vorbei als wir einstiegen. Wir gingen los. 1 Abteil, 2,3... Dann war wieder Ende. Das gibt es doch nicht. Aber die Schaffnerin klaerte uns auf. Wir waren ja so bloed! Zum Speisewagen ging es in die andere Richtung. War das etwa auch der Grund warum wir beim letzten mal auch schon keinen gefunden hatten?! Nachdem wir endlich das Restaurant gefunden hatten, war es geschlossen. Doch Nicole durfte sich trotzdem noch eine Cola kaufen.

Dienstag, September 02, 2003

Birjusa

Eigentlich war das Fruehstueck fuer 9 Uhr angesagt. Aber wir hatten Glueck, Alexej rief uns erst um 10.15 Uhr. So konnten wir etwas laenger im Bett liegen. Wir dachten, Alexej und Tanja wuerden uns erzaehlen was wir in Birjusa sehen und machen koennten. Doch Tanja gab uns nur ein Reisetagebuch von einem Deutschen geschrieben. Also verbrachten wir den Nachmittag damit, dieses zu lesen. Es war interessant und lustig zu lesen, dass es ihm oft genauso ging wie uns. (--> Wasserhahn in Transsib).

Zwischendurch machten wir mal einen kleinen Spaziergang durchs dorf. Die Haeuser sind alle aus Holz und jedes hatte einen grossen Garten in dem sie Gemuese und Obst anpflanzten. Kohlkoepfe so gross wie ein Medizinball! Blumen in allen Farben. Auf der Strasse liefen Kuehe rum, Ziegen, Huehner, Katzen, Hunde, ... Eigentlich war Birjusa ein grosser Bauernhof. Es war beeindruckend zu sehen wie einfach die menschen hier lebten und dabei gluecklich sind.