Samstag, Dezember 06, 2003

Chengdu - Lhasa

Ploetzlich sassen wir senkrecht im Bett. Was war das denn fuer ein Krach vor unserer Tuer? Glas splitterte und etwas (oder jemand?) fiel mit einem lauten Knall vom 2. oder 3. Stock runter. Es hoerte sich an, als ob jemand gestuerzt und aufs Auto gefallen war. Doch der Krach hoerte nicht auf. Leise Stimmen waren zu hoeren und dann klopfte es an unserer Tuer. Man, war das unheimlich. Alles war dunkel, es war ja auch erst 4.30 Uhr. Es war der Hostelmanager. Er suchte nach einem Japaner, der bei uns im Zimmer schlafen sollte. Wir hatten heute Nacht wieder ein volles Zimmer. Wir weckten den Japaner. Er sollte uebersetzen helfen. Oben auf der 3. Etage tobte ein aelterer Japaner und schlug alles kurz und klein. Niemand konnte ihn verstehen. Doch heute abend liess sich nicht mehr viel klaeren. Der Mann war einfach zu weggetreten. Und sowas von einem Japaner. Dabei waren sie doch immer so ruhig und gelassen.

Um 9 Uhr klingelte unser Wecker. Wir wussten noch gar nicht, wann unser Bus zum Flughafen abfaehrt. Erstmal duschen. Wer weiss, wann wir das in Tibet wieder koennen. Als wir fertig waren, trafen wir Tenzin, der uns die Tickets gebucht hatte. Unser Bus faehrt um 11 Uhr. Jetzt erfuhren wir auch, was der Japaner in der Nacht hatte. Er glaubte, sein Geld verloren zu haben. Es muss wohl sehr viel gewesen sein und da ist er in einen Schockzustand geraten und ausgerastet. Das Geld fand sich am morgen aber schon wieder auf.

Nun gings ans packen. Das haben wir schon fast wieder verlernt, so lange ist es her. Um 11 Uhr wurden wir zum Flughafen gebracht. Das Einchecken verlief reibungslos und ruck zuck sassen wir im Flieger. Tibet, wir kommen! Ein weiterer Traum wird wahr. Um 15.10 Uhr landeten wir. Die Sonne schien und rings herum waren riesige Berge. Es sah wunderschoen aus! Vom Flughafen bis nach Lhasa waren es noch 93Km, die wir mit dem Bus zurueck legten.

Im Flora Hotel wurden wir mit einer Tasse Tee empfangen. Wir bekamen ein Doppelzimmer, was sie hier Dorm nannten, fuer 30 Yuan, sogar mit eigener Toilette. Die Dusche war allerdings auf dem Gang. Das Beste war: wir hatten Waermedecken im Bett!! Oh, wird das eine kuschelig warme Nacht.

Wir gingen noch etwas spazieren. Zurueck im Hotel wartete schon ein Tourorganisator auf uns. Die Rezeptionistin hatte ihn bestellt, da wir gesagt hatten, dass wir gern zum Everest Base Camp wollten. Welch ein Service. Der Mann bot uns eine 5-Tages Tour fuer 4.800 Yuan an. Der Preis wird durch die Personen geteilt. Wenn wir also noch jemanden finden, der mit will. Da kamen auch schon Amy und Andrew, die Australier, die mit uns geflogen waren, zur Tuer rein. Sie waren direkt begeistert von der Tour. Das laeuft ja alles wie am Schnuerchen. Wir werden den Tourplan morgen nochmal durchgehen und dann bestaetigen.

Freitag, Dezember 05, 2003

Chengdu

Heute morgen ging gar nichts. Erst um 11.30 Uhr quaelten wir uns aus dem Bett. Und buchten zuallererst unser Flugticket nach Lhasa. Das Fruehstueck fiel heute aus. Wir wollten lieber wieder die leckeren Kartoffeln essen. Also ein zweites Mal in den Renmin-Park. Heute durch einen anderen Eingang, wo wir komischerweise auch nur die Haelfte an Eintritt zahlen mussten. Der Kartoffelstand jedoch war geschlossen. Mittagspause. OK. Dann eben zuerst zum Untergrund-Museum. Aber wahrscheinlich waren wir mal wieder zu bloed. Wir liefen hin und her, vor und zurueck, fragten mehrmals nach, aber gefunden haben wir das Museum nicht. Nachdem wir dann zum fuenften Mal am Kartoffelstand vorbei kamen und dieser immer noch geschlossen hatte, hatten wir die Nase gestrichen voll. Jetzt gibt's eben 'nen Burger bei McD.

Hier wurden wir von einer Chinesin und einem Neuseelaender angesprochen, die Englischlehrer fuer ein Jahr suchen. Das Angebot klang verlockend und wir haben uns gleich eine Visitenkarte geben lassen.

Jetzt brauchen wir noch ein paar Klamotten fuer Tibet. Im grossen Einkaufshaus fanden wir so einiges und lernten dort auch LinYaLan kennen, ein junges chinesisches Maedchen. Sie half uns beim Uebersetzen mit den Verkaeuferinnen. Das schien ihr so viel Spass zu machen, dass sie uns auch gleich noch zusammen mit ihrer Freundin DengLingLing zu einer anderen Einkaufsstrasse brachte, in der man Muetzen, Handschuhe, Schals, etc. besonders guenstig einkaufen kann. LinYaLan handelte fuer uns und so gingen wir vollgepackt weiter. Doch damit nicht genug. Wir wurden auch noch zum Abendessen in ein bekanntes Hotel-Restaurant eingeladen. Man servierte uns total viele Gerichte, eines nach dem anderen. Immer noch mehr dazu. Wir kamen nicht drumrum, wir mussten alles probieren. Oh je! Zum Abschluss liessen wir uns am Tianfu-Platz mit den beiden fotografieren.

Donnerstag, Dezember 04, 2003

Chengdu

Der Tag begann mit einer langen Internet-Session. Ob wir heute die Berichte schreiben koennen? Nein, konnten wir nicht. Zu viele eMails wollten beantwortet werden. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Am Abend gingen wir eine Kleinigkeit essen und wollten anschliessend ins Kino. Das hatte ja gestern nicht geklappt. Dummerweise hatten wir jedoch die Adresse im Hostel vergessen. Mit Hilfe des Phrasebooks schrieben wir den chinesischen Namen auf. Gar nicht so einfach, die Zeichen abzumalen. Aber der Taxifahrer konnte es ohne Probleme lesen.

Wir schauten uns "The league of extraordinary gentleman" mit Sean Connery an. Gott sei Dank kostete der Eintritt nur ca. 1 Euro, denn jeder weitere waere eine Verschwendung gewesen.

Mittwoch, Dezember 03, 2003

Chengdu

Heute war mein (Ramona) Geburtstag und so durfte ich lange schlafen. Um 12 Uhr weckte Nicole mich zum Fruehstueck. Sie hatte schon Muesli bestellt und es stand eine Kerze auf dem Tisch. Wie suess! Sogar 2 Geschenke lagen dabei. Freu.

Am Nachmittag war shoppen angesagt. Tony, der Tourguide von der Jugendherberge, hatte uns angeboten, mit uns zu einem Outdoorladen zu fahren. Der Chef und der Koch kamen auch mit. Vielleicht fanden wir hier ja noch eine bessere Jacke als die von gestern. Doch dem war nicht so. Eigentlich dachten wir, wir wuerden noch zu ein paar anderen Geschaeften fahren, doch Tony meinte sie muessten nun etwas arbeiten. Na, das war ja auch nett. Haetten wir das eher gewusst.

So nahmen wir ein Taxi und liessen uns zu Sam's Guesthouse bringen. Hier wollten wir auch noch mal nach den Moeglichkeiten, nach Tibet zu kommen, fragen und nebenan gab es einen Outdoorladen. Nach Tibet gab es nur Fluege, die ebenfalls 1750Yuan kosten, genau wie in unserer Jugendherberge. Und der Outdoorladen hatte auch keine Jacken fuer uns. Also sind wir in den Laden von gestern. Sie hatten uns die Jacken ja zurueckgelegt. Doch als wir da ankamen, sagte das Haeschen, sie haette die rote Jacke verkauft. Wie kann das denn?! Wir hatten doch extra 3x nachgefragt ob sie die Jacken auch wirklich zuruecklegen. So eine Frechheit! Nicole war heftig sauer, denn sie hatte sich fuer die Rote entschieden. Dummerweise gab es die Jacke nur 1x. Das Haeschen redete kurz mit ihrem Chef und meinte dann, sie wuerden die Jacke zurueckholen. Ein Freund vom Chef haette sie gekauft, da waere es nicht so schlimm. Wow! Wir warteten eine halbe Stunde und dann hatte auch Nicole ihre Jacke. Natuerlich verlangten wir nun einen Rabatt fuers lange Warten. So bekamen wir sie 70Yuan guenstiger. Perfekt!

Zur Feier des Tages gingen wir noch mal ins Restaurant nebenan. HighFly Pizza. Genau wir gestern war es wieder super lecker! Dann wollten wir noch ins Kino. Aber leider hatte die Vorstellung schon angefangen und die naechste war erst um 22.15 Uhr. Viel zu spaet. Wir fuhren zurueck zur Jugendherberge und trafen dort Mats mit einem Maedl. Sie wollten eine DVD gucken und fragten ob wir auch Lust haetten. Klar! So kamen wir doch noch zu unserem Film.

Tja, und so schnell ging der Geburtstag vorbei. Obwohl es ein ganz normaler Tag war, war es doch etwas Einmaliges. Werd so schnell wohl nicht wieder in China feiern koennen. Vielen Dank noch an alle, die an mich gedacht haben und die vielen Emails geschickt haben.

Dienstag, Dezember 02, 2003

Leshan

Leshan, wir wollen nach Leshan. Bekannt fuer den groessten sitzenden Buddha der Welt. 71 m hoch. Das duerfen wir uns nicht entgehen lassen. Wir machten uns auf eigene Faust los, weil uns die Touren dorthin zu teuer waren. Ueberraschenderweise kamen wir sogar ohne Probleme genau dort an, wo wir hin wollten. Wir hatten uns kein einziges Mal verlaufen und waren richtig stolz auf uns.

Den Buddha kann man am besten vom Boot fotografieren. Also mit dem Boot vor den Buddha. Aber die Enttaeuschung war gross. So gross wie der Buddha hoch ist. Man ist der haesslich. Und das Gesicht, die Haende und Fuesse sind ja ganz neu gemacht. Und da wollen wir auch noch hinlaufen?

Nicht wirklich, oder? Wir liessen eine Muenze entscheiden, was die Chinesen sehr amuesierte. Die Entscheidung fiel auf 'hinwandern'. Das war zwar ganz nett, aber der Buddha ... Fuer uns hatte sich der Ausflug nicht gelohnt. Ausserdem war das alles in allem immer noch ziemlich teuer!

Den Frust assen wir uns in einem Western Restaurant weg. Das musste mal sein! Einer der wenigen warmen Plaetze hier in Chengdu (ein weiterer ist McD!). Die Chinesen haben hier tagaus, tagein ueberall die Fenster und Tueren offen stehen. Dabei ist es hier sooo kalt. Nicht, dass die Chinesen nicht frieren, nein, auch sie sind eingemummt in dicke Jacken, Muetzen und Schals... aber sie wollen frische Luft zum Atmen! Wahrscheinlich hat es uns auch deshalb hier in Chengdu erwischt! Aber egal, wir waren also in diesem Western Restaurant und das war mal richtig klasse. Es war also nicht nur warm, nein, auch der Laminat-Fussboden war sauber, so dass man nicht aufpassen musste, wohin man seinen Rucksack stellt. Die Stuehle waren total weich, fast wie Sessel. Die Teller und Glaeser waren sauber, die Musik war gut. Die Atmosphaere war angenehm, keine ruelpsenden und spuckenden, lauten Chinesen - nein, gediegen. Es war ein richtiges Erlebnis. Allerdings das Essen mit Messer und Gabel war total ungewohnt. Wir sind ja jetzt Champions mit dem Staebchen essen!! Das Essen ansich war auch ein Festmahl - Pilzcremesuppe, Knoblauchbrot und eine leckere Pizza! Wir mussten gleich 3 Dinge bestellen, weil wir solch eine Lust hatten ... konnten natuerlich nicht alles essen, weil viel zu viel. Dazu noch eine Cola und grad mal 5 Euro bezahlt. Eigentlich richtig teuer fuer China!

Im Outdoor-Laden nebenan fanden wir zwei schoene Daunenjacken. Die koennen wir fuer Tibet gut gebrauchen. Wir fragten die Haeschen, ob sie uns die Jacken bis morgen zurueck legen koennen. Aber sicher doch, alles kein Problem.

Montag, Dezember 01, 2003

Chengdu

Um 7.10 Uhr wurden wir von Crow, einer jungen Chinesin, abgeholt. Mit ihr werden wir heute einen Tag in der Sichuan Universitaet verbringen. Zwei Stunden Englisch, zwei Stunden Japanisch und nach der zweistuendigen Mittagspause noch zwei Stunden englische Literatur - die ersten fuer Ramona und mich. Und nicht nur deshalb waren sie fuer uns die interessantesten. Der Lehrer war so enthusiastisch und euphorisch, als er uns Antony's oeffentliche
Rede aus Julius Caesar interpretierte, dass wir glaubten, live dabei zu sein. Ramona stellte sich das alles bildlich vor - mit geschlossenen Augen und offenem Mund. Sie nickte auch staendig bestaetigend. Ob der Lehrer das gesehen hat? Er beendete seinen einstuendigen Monolog und stellte die zweite Stunde zur offenen Diskussion. Wir sollten etwas ueber Shakespeare und seine Bedeutung in unserem Leben erzaehlen. War klar, dass er mich auch nach vorne rief. Aber was soll ich denn ueber Shakespeare erzaehlen? Hatte doch heute erst das erste Mal etwas von ihm gelesen (nicht ueber ihn wie Zladko!). Aber ich hatte Glueck, durfte, weil ich 'one of the two young ladies from Germany' war, erzaehlen, was ich wollte. OK, also ueber unsere Eindruecke in China. Zusammen mit Ramona dann diskutierten wir mit den Studenten, wie man am besten Englisch lernt. Die Stunde ging viel zu schnell vorbei. Aber der Knoten war geplatzt und viele Studenten trauten sich dann, uns anzusprechen.

Es war fast 17 Uhr als wir die Uni verliessen. Ganz schoen anstrengend. Lange her, dass wir die Schulbank gedrueckt haben.

Sonntag, November 30, 2003

Chengdu

Ein weiterer Tag der Genesung. Man, geht das langsam voran. Heute war endlich Duschtag. Nach 6 Tagen und dem ganzen im Bett liegen wurde es wirklich mal Zeit. Das Wasser war richtig heiss. Oh, tat das gut! Wir fuehlten uns wie neu geboren.

Am fruehen Nachmittag lernten wir Mats aus Schweden kennen. Er war in der Nacht angekommen. Wir gingen mit ihm Mittag essen, da er nicht so recht wusste wohin und er meinte er wuerde staendig uebers Ohr gehauen, was das Zahlen anging. Das koennen wir jedoch nicht bestaetigen. Vielleicht lag es daran, dass er noch sehr jung ist. Wir zeigten ihm, dass man sehr wohl gut essen kann, auch fuer weniger als 10Yuan. Suppe, einen grossen Teller Reis mit Gemuese und Schweinefleisch und heisses Wasser zu trinken (heisses Wasser wird sehr viel in China getrunken, wie bei uns Sprudel) fuer nur 4.3Yuan pro Person.

Den Rest des Tages verbrachten wir vorm PC, Berichte schreiben.

Samstag, November 29, 2003

Chengdu

Heute ging es auch Ramona wieder besser. Deshalb verbrachten wir gleich den halben Tag im Internet, um Mails zu beantworten. Berichte koennen wir auch morgen noch schreiben.

Am Abend wieder zwei Filme und im Bett konnte ich mich endlich Ramona's Bibel "Lord of the Rings" widmen.

Freitag, November 28, 2003

Chengdu

Die Erkaeltung geht nur langsam vorueber. Wieder verbrachten wir den ganzen Tag im Bett. Heute gab es nicht mal das leckere Muesli zum Fruehstueck, weil der Koch angeblich was dringendes erledigen musste. Und deshalb sollten wir hungern?!

Der Rest des Tages verlief wie gestern auch. 18 Uhr Internet und 20 Uhr DVD. Sorry wenn's langweilig wird, aber wir geben uns groesste Muehe, wieder gesund zu werden. Ist nur nicht so einfach ohne Heizung.

Donnerstag, November 27, 2003

Chengdu

Mir (Nicole) geht's heute wieder besser. Da scheint das japanische Heilpflanzenoel ja doch zu helfen. Nur bei Ramona anscheinend nicht. Sie hatte immer noch die Nase voll. Unser ganzes Zimmer riecht danach. Nur gut, dass man keine anderen Gaeste zu uns ins Zimmer steckt. So sind wir ganz alleine in unserem Lazarett.
Am Abend goennten wir uns wieder eine DVD, chinesische Nudeln und Zitronentee.

Mittwoch, November 26, 2003

Chengdu

Super, es hatte uns beide voll erwischt. Erkaeltung hoch zehn. Aufstehen und Sightseeing konnten wir knicken. Alles tat weh und die Nase lief in einer
Tour. Wir schliefen den ganzen Tag. Gegen 17.30 Uhr raffte Nicole sich auf und besorgte uns ein paar Vitamine in Form von Orangen und Aepfel. Um 20.00 Uhr konnten wir es nicht mehr im Bett aushalten. Wir schnappten unsere Decke und setzten uns in den DVD Raum, um ein paar Filme zu sehen. Der Aufenthalt in Chengdu wird wohl doch etwas laenger als erwartet.

Chengdu

Super, es hatte uns beide voll erwischt. Erkaeltung hoch zehn. Aufstehen und Sightseeing konnten wir knicken. Alles tat weh und die Nase lief in einer
Tour. Wir schliefen den ganzen Tag. Gegen 17.30 Uhr raffte Nicole sich auf und besorgte uns ein paar Vitamine in Form von Orangen und Aepfel. Um 20.00 Uhr konnten wir es nicht mehr im Bett aushalten. Wir schnappten unsere Decke und setzten uns in den DVD Raum, um ein paar Filme zu sehen. Der Aufenthalt in Chengdu wird wohl doch etwas laenger als erwartet.

Dienstag, November 25, 2003

Chengdu

Zusammen mit Amy, Nick, Lianne und einem Franzosen ging es um 7.30 Uhr zur Zucht- und Forschungsstation fuer Pandas (Giant Panda Research Base) in Chengdu. Jeden Morgen werden die Pandas um 8.30 Uhr in den verschiedenen Pandagehegen gefuettert. Wir kamen gerade rechtzeitig. Da sitzen diese knuddeligen schwarz-weissen Tiere wie wir Menschen auf ihren vier Buchstaben und schieben Bambusblatt nach Bambusblatt in sich hinein. Von uns Touristen liessen sie sich ueberhaupt nicht stoeren. Wir wurden zwar hin und wieder angestarrt, aber ihre ganze Konzentration galt den Bambusblaettern. Wenn sie genug haben, suchen sie sich ein lauschiges Plaetzchen und schlafen - bis zur naechsten Fuetterung um 14 Uhr. Welch ein Leben! Neugeborene Pandas sehen gar nicht aus wie Pandas, eher wie eine Maus ohne Schwanz. Erst in den folgenden Monaten entwickelt sich das schwarz-weisse Fell. In den ersten 1,5 Jahren ist das Pandababy absolut abhaengig von der Mutter. Erst danach, zwischen 3 und 5 Jahren, werden sie unabhaengig. Ob das damit zusammenhaengt, dass sie dann auch geschlechtsreif werden? Das ist dann auch die Zeit, wenn Maennchen und Weibchen "miteinander gehen" und
dann auch heiraten. Tja, und vom 5. - 18. Lebensjahr haengen sie nur noch ab und schlafen. Wusstet ihr, dass es auch rote Pandas gibt? Wir nicht! Aber es gibt sie tatsaechlich. Sie sind viel kleiner und haben einen langen buschigen Schwanz. Ausserdem scheinen sie viel aktiver als die schwarz-weissen Pandas.

Amy, Nick und Lianne verabschiedeten sich von uns. Tibet ist ihnen zu kalt. Ausserdem: Sie hatten doch keine Zeit. :)

Ramona, die es schwer erwischt hatte, legte sich zum Schlafen. Ich wollte mein Tagebuch auf Vordermann bringen, beging jedoch einen verhaengnisvollen Fehler: schnell mal kurz online gehen. Tagebuch habe ich nicht mehr geschrieben.

Am Abend konnte ich mich dann zu Ramona gesellen. Zusammen sassen wir in unserem Zimmer und schnupften und niesten vor uns hin.

Montag, November 24, 2003

Chengdu

Gegen 7 Uhr wurden wir schon geweckt. Es war schon ein heftiges Gewuehle im Wagon. Jeder packte seine Koffer. Um kurz nach 8 Uhr erreichten wir Chengdu und wurden direkt vom Abholservice des Dragon Town Hostels empfangen. Das hat ja super geklappt. Das Hostel war aehnlich dem im Xi'an mit Innenhoefen und keiner Heizung im Zimmer.

Als erstes mussten wir mal eine Ladung Waesche waschen. Das lohnte sich diesmal richtig mit 5 Personen. Danach gingen wir zum Renmin Park. Hier sollte es eine Art Unterwelt geben. Ein Museum. Doch davon war nirgends was zu sehen. Wir setzten uns in das Teehaus im Park, natuerlich draussen. An jedem Tisch sassen chinesische Rentner und spielten irgendwelche Spiele. Meistens eine Art Domino.

Wir sassen nicht lange, da gesellte sich ein Chinese zu uns. Sein Name ist Lee. Anfangs glaubten wir, er wolle sich nur etwas mit uns unterhalten. Er sprach sehr gut Englisch und erzaehlte uns viel ueber China, Orte die man besuchen sollte und ueber traditionelle Kampfkunst. Es war super interessant. Erst spaeter stellte sich heraus, dass er Touren fuer Touris organisierte. Off the beaten track. Er war allerdings ueberhaupt nicht aufdringlich mit seinen Touren, was
uns zur Abwechslung mal sehr sympatisch war. Wir interessierten uns sehr fuer Martial Art und so entschlossen wir uns, mit ihm zu einer Schule zu gehen wo die Nachwuchstalente fuer die Meisterschaften trainiert werden.

Es war wahnsinnig faszinierend den 12 - 17 jaehrigen Jungen und Maedchen zuzusehen. Jeder beherrschte mindestens 3 Disziplinen. Schwert, Lanze, Stock, Kette, Schattenboxen, ... Obwohl das Training das letzte aus ihnen herausforderte, konnte man dennoch sehen, wie viel Spass sie dabei hatten. Auch wenn sie eine Uebung 20 mal wiederholen mussten bis sie endlich richtig war. Nichtmal in den Pausen hoerten sie auf zu trainieren. Faszinierend. Zum Schluss bekamen wir noch eine kleine Vorstellung. Die Champions von morgen.

Zum Abendessen probierten wir den Hot Pot in einem Restaurant in der Naehe unseres Hostels. Der war wirklich Hot! Wir haetten Feuer speien koennen.

Samstag, November 22, 2003

Xi'an

Um 9.30 Uhr sollte die Tour zur Terracotta Armee losgehen. Vorher gab es aber noch Fruehstueck mit Amy, Nick und Lianne. Wow, hier gab es sogar richtig viel Auswahl. Englisch, Europaeisch, Amerikanisch, Schweizer. Wir nahmen das Schweizer mit Muesli, Yoghurt, Toast, Butter Marmelade und Ei. Oh, wie lecker. Wir buchten noch schnell unsere Zugtickets nach Chengdu fuer morgen. Das Haeschen im Buero sagte es waere kein Problem, wir koennen sie am Abend abholen.

Wir bekamen noch eine 6. Person dazu und los gings. Unsere Reisefuehrerin sprach tatsaechlich mal richtig englisch. Sie erzaehlte uns eine Menge ueber die chinesische Geschichte und dem Terrakotta Grab. Doch zuerst ging es zur Tonfabrik, wo die Nachbildungen hergestellt wurden. Von ganz klein bis lebensgross. Eine grosse Figur herzustellen dauerte 5-6 Tage. Nun gings zu den Echten.

Die Terrakotta Armee sind die Bewacher des Grabs von Qin Shi Yuang, dem damaligen Kaiser. Es stehen ueber 8.000 Soldaten und Pferde im Grab. Jeder sieht anders aus. Vor 2000 Jahren hatte Qin angeordnet, dieses Grab fuer ihn zu bauen, es wurde aber erst lange nach seinem Tod fertiggestellt. Insgesamt wurden 40 Jahre daran gebaut. Dieses Wunderwerk lag bis 1974 verborgen. Ein Farmer fand es, als er einen Brunnen ausheben wollte. Die Ausgrabungsarbeiten sind lange noch nicht abgeschlossen. Es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern.

Nach einer kleinen Mittagsstaerkung ging es weiter zum unterirdischen Palast des Qin Shi Huang. Dieser ist allerdings erstmal nur eine Nachbilding. Der echte ist noch nicht ausgehoben, da man befuerchtet, dass alles zerfaellt wenn es mit Sauerstoff in Beruehrung kommt. Noch wird an einer Moeglichkeit gearbeitet, dies zu verhindern.

Normalerweise wollten wir noch zu einer chinesischen Teezeremonie, doch unser Tourguide hatte vergessen, dem Busfahrer Bescheid zu geben. So brachte dieser uns zurueck zum Hostel. Wir entschlossen uns alle, dennoch zu gehen und versuchten es per Taxi. Das gestaltete sich allerdings ganz schoen schwierig, da gerade Rush-hour war. Alles besetzt. Als wir dann doch eins anhalten konnten, sprangen wir alle Mann hinein bevor er es sich wieder anders ueberlegte. Zu sechst auf dem Ruecksitz! Es war ein klein wenig eng. Natuerlich streikte der Taxifahrer. Zu gefaehrlich, Polizei, bla bla. Und das von einem Chinesen die alles vollstopfen bis zum Umfallen. Unser Guide konnte ihn aber doch noch ueberreden.

Die Teezeremonie war ueberhaupt nicht mit der japanischen zu vergleichen. Eher mit einer deutschen Weinprobe. Nur wird man nicht betrunken. Wir bekamen 7 Tees zu kosten. Waren sehr lecker.

Zurueck im Hostel holten wir unsere Zugtickets ab. Lianne hatte sich entschlossen, auch mit nach Chengdu zu fahren. Somit waren wir also zu fuenft. Amy, Nick, Lianne und wir zwei. Wird bestimmt super lustig! Wir hatten sogar alle das gleiche Abteil. Na bitte, hat doch alles geklappt. Doch nur 2 Std. spaeter kam die Tickettussie wieder und meinte da waere ein Fehler mit unseren Tickets. Sie waeren auf den 22. ausgestellt anstatt den 23. Das darf doch nicht wahr sein! Wir hatten es ihr doch ettliche Male erklaert. Jetzt kann sie aber zusehen, wie sie das wieder hinbiegt. Sie sass ganze 2 Std. am Telefon. Dann meinte sie, es waere alles geklaert. Na hoffentlich. Die Tickets sind morgen frueh da.

Freitag, November 21, 2003

Xi'an

Morgen wollen noch zwei Leute die Terracotta Armee besichtigen, also verschieben wir unsere Tour auch auf morgen. Ist guenstiger.
Wir liehen uns Fahrraeder aus, um Xi'an zu erforschen. Ramona bekam ein Fahrrad, das angeblich nur zwei Monate alt war und aus Japan kommt. Nun, glauben konnten wir das nicht, denn nicht mal die Bremsen funktionierten. Dann sah ich mein Fahrrad. Ich musste schlucken. Das hat mindestens schon 50 Jahre auf dem Buckel. Total verrostet, klapprig, der Sattel lediglich ein Bezug ueber den Federn, der Staender funktioniert nicht richtig und die Bremsen brauche ich erst gar nicht zu erwaehnen. Das kann ja heiter werden! Wurde es auch - wir fuehlten uns gleich heimisch, beachteten die Ampeln kaum, fuhren einfach drauf los, die anderen werden den Weg schon raeumen. Ja, wir gehoerten richtig dazu. Sehr schnell ist man natuerlich in ein Auto gerannt oder in einen Fussgaenger - vor allen Dingen, wenn die Bremsen nicht funktionieren - es ist teilweise echt gefaehrlich. Und obwohl es megabreite Strassen fuer Radfahrer gibt, muss man stets auf der Hut sein und mit allem rechnen.

Wir schauten uns zwei Pagodas an, "Big and Small Goose Pagoda", sowie zwei Essensmaerkte. Den einen im Muslimviertel, wo es in engen Strassen und Gassen islamisches Essen, Fleisch, Eier, Suessigkeiten noch und noecher gibt. Hier ist es auch egal, dass das rohe Fleisch am Haken haengt und daneben Sand geschaufelt und gesiebt wird, Mopeds repariert werden, etc. - der Markt lebt einfach! Der zweite Essensmarkt war mindestens genauso interessant. Obst, frisch oder getrocknet, Koerner, Nuesse, Fisch und Fleisch, aber auch Froesche, Schildkroeten und Schlangen - alle noch lebendig. Nur schade, dass wir nicht sehen konnten, wie sie zubereitet werden.

Am Abend gab es die vom Youth Hostel organisierte Dumpling-Fete. Dumplings sind mit Fleisch oder Gemuese gefuellte Teigtaschen. Die Gaeste und Mitarbeiter des Youth Hostels treffen sich zum gemeinsamen Zubereiten der Dumplings mit anschliessendem Verzehr. Eine gute Gelegenheit, auch andere Reisende kennen zu lernen. Wie z. Bsp. Amy & Nick aus England und Lianne aus Kanada. Mit ihnen sollten wir die naechsten Tage verbringen. Erstaunt und ueberrascht, wie klein die Welt doch ist, war ich, als ich ein Maedel aus Konz (!) kennen lernte. Mitten in China. Sachen gibt's?!

Donnerstag, November 20, 2003

Yuncheng - Xi'an

Heute war endlich mal ein lange schlafen Tag. Juhu! Um 11.30 Uhr haben wir uns erst aus dem Bett gequaelt. Al musste auf der anderen Bahnhofseite sein Zugticket abholen und so gingen wir gleich mit, um zu sehen, ob wir auch einen Zug oder Bus nach Xi'an bekommen. Al wird uns heute wieder verlassen. Er muss zu seinem Lehrauftrag.

Der Mann im Ticketoffice sprach natuerlich kein Englisch, rief aber ein Maedel aus unserem Hotel zu Hilfe. Sie kam schnell rueber geflitzt und dann rieten sie uns, lieber einen Bus nach Xi'an zu nehmen. Das waere guenstiger und dauert nur 3 Stunden. Das Maedel wuerde uns auch zum Busbahnhof bringen und uns die richtigen Busse zeigen. Ist doch klasse. Wir gingen zurueck ins Hotel und packten unsere Sachen. Wir liessen das Maedel noch ein Zimmer fuer uns in der Jugendherberge in Xi'an buchen und dann marschierten wir los zum Busbahnhof. Zuerst wurde Al in einen Bus verfrachtet und dann wir. 50 Yuan kostete die Fahrt nach Xi'an. Super guenstig fuer fast 300 km.

Unser Bus fuhr um 13.30 Uhr los. Es ging durch ewig weites Flachland. Zu unserer linken tuermte sich eine riesen Bergkette, verschleiert im Nebel. Gegen 17.00 Uhr kamen wir in Xi'an an. Nun mit dem Taxi zum Hostel, wo man uns schon erwartete. Das Hostel war wie ein Tempel gebaut. Sah urig aus. Wir wurden in ein 4er Zimmer untergebracht, fuer 40 Yuan. Hier gab es auch ein Tourbuero und Internet. Wir fragten direkt nach, wie es morgen mit einer Tour zur Terrakotta Armee aussieht. Kein Problem, allerdings sind wir nur zu zweit und dann kostet es 200 Yuan. Wenn wir noch 3 weitere finden, kostet es nur 120. Wow, ganz schoen teuer.

Wir drehten noch eine Runde durch die Stadt und gingen etwas essen. Als wir zurueck zum Hostel kamen, hatte sich leider immer noch niemand fuer die Tour gemeldet. Wir fragten noch ein paar andere Reisende im Aufenthaltsraum, doch die einen waren heute schon dort gewesen und die anderen wuerden lieber den oeffentlichen Bus nehmen. Das wuerde nur 10 Yuan kosten. Na, wenn das so ist, dann werden wir es wohl auch so machen.

Mittwoch, November 19, 2003

Yuncheng

Um 7 Uhr war Abfahrt zu den Hukou Wasserfaellen. Unser Guide holte uns puenktlich ab. Die Fahrt zu den Wasserfaellen sollte urspruenglich 4 Std. dauern, doch dann wurden 6 Std. draus. Es ging durch viele kleine Doerfer. Dann durch ein Gebirge. Man konnte den Yellow River im Tal sehen. Das Wasser war braun, doch fuer die Chinesen ist es gelb. Daher auch der Name, Yellow River. Den Fluss entlang gab es eine Kohlefabrik neben der anderen. Zwischendrin immer wieder Felder. Es waren Maisfelder. Der geerntete Mais wurde auf den Hausdaechern und in den Zaunspalten gestapelt zum Trocknen. Wir mussten noch ein Gebirge ueberqueren, bevor wir zu den Wasserfaellen kamen. Es war heftig nebelig, manchmal sah es ganz schoen gespenstisch aus, mit den Baeumen.

Der Wasserfall war klasse. Hukou Falls heisst "Der pfeifende Wasserkessel", weil das Rauschen des fallenden Wassers so laut ist. Der Yellow River ist hier 400m breit und zwaengt sich durch eine 20 m Spalte rund 20 m in die Tiefe. Man kann sogar unter den Wasserfall gehen, fast so wie bei den Niagara Faellen. Das Spruehwasser von den fallenden Wassermassen spritzte meterhoch. Beeindruckend, was da fuer Wassermassen runterfallen.

Um 14.00 Uhr ging es wieder auf den Rueckweg. Es daemmerte schon als wir zum Gebirge kamen und ruck zuck war es dunkel. Der Nebel war noch dichter geworden. Selbst nach Saeubern der Scheiben und der Scheinwerfer sah man kaum was. Fiona und der Fahrer guckten staendig aus den offenen Seitenfenstern. Das sah manchmal ganz schoen gefaehrlich aus, vor allem wenn der Abgrund gleich neben der Strasse war.

Es ging alles gut und wir mussten nicht auf dem Berg uebernachten. Es war bereits 21.30 als wir zurueck im Hotel waren.

Dienstag, November 18, 2003

Yuncheng

Um 7.45 Uhr hiess es leider schon aufstehen. Aber wir wollten ja heute zu den Hukou Wasserfaellen und die waren 150 km weit weg. Ein langer Weg. Hier im Hotel war das Fruehstueck zur Abwechslung mal inclusive. Das konnten wir auf keinen Fall auslassen. Chinesisches Fruehstueck. Was das wohl war? Erwartungsvoll setzten wir uns ins Restaurant. Es wurde aufgetragen. Geraspelte Karotten, Gurken, Sellerie, Lauch mit Bohnen und ein undefinierbares Gemuese. Alles in verschiedenen Saucen eingelegt. Dazu eine Suppe, die wie waessriger Porridge schmeckte. Zu guter letzt noch ein paar Teigwaren. Hat zwar alles (bis auf die Suppe) nicht schlecht geschmeckt, doch zum Fruehstueck sehr gewoehnungsbeduerftig.

Nach dem Fruehstueck machten wir uns auf die Suche nach dem CITS Buero. In unserem Reisefuehrer steht, dass es im Yuncheng Grand Hotel sei. Das Taxi brachte uns hin. Doch das Buero war nirgends zu sehen. Nach mehrmaligem erklaeren an der Rezeption verstand man uns und wir erfuhren, dass es noch ein anderes Hotel mit dem gleichen Namen gab. Die Rezeptionistin schrieb uns den Namen und Adresse auf chinesisch auf, damit wir es dem Taxifahrer zeigen konnten.

Nun waren wir richtig. Aber auch im CITS Buero sprach man kein englisch. Netterweise rief der Inhaber eine englisch sprechende Frau an, die auch kurze Zeit spaeter vorbei kam. Wir erklaerten ihr, dass wir heute gern zu den Hukou Falls wollten und sie uebersetzte. Es ist tatsaechlich moeglich es heute noch zu machen. Mit Busfahrer und Guide, natuerlich Englisch sprechend, 1200 Yuan. Wow, ganz schoen teuer. Geht das nicht etwas guenstiger? Aber es war zwecklos. Der Inhaber blieb stur auf dem Preis. Bevor wir zusagen, wollen wir aber erst den Guide sehen und uns vergewissern, dass er oder sie auch wirklich Englisch spricht. Es dauerte eine ganze Zeit bis die 2 kamen. Mittlerweile war es schon 11.40 Uhr. Eigentlich ein bisschen zu spaet, jetzt noch los zu fahren. Wenn wir ankommen, wird es ja schon bald dunkel. Wir entschlossen uns, die Tour lieber morgen zu machen.

Da schlug die Dolmetscherin vor, heute doch zum Yongle Gong, Palast der unendlichen Freude in Ruicheng, zu fahren. Ok, was sollen wir auch sonst machen. 600 Yuan. Jetzt muss aber doch ein Rabatt drin sein. Immerhin machen wir nun 2 Touren. Tatsaechlich willigte der CITS Mann ein und ging runter auf insgesammt 1600 Yuan. Na bitte, geht doch. 200 sind besser als nichts.

Unser Busfahrer und Guide waren 2 Studentinnen. Doch das Englisch war nicht wirklich das, was wir gehofft hatten. Viel erzaehlen konnte sie nicht. Die Fahrt ging los, zu unserem Erstaunen in einem Auto. War nicht eben noch von einem Bus die Rede? Wir waren gute 2 Stunden unterwegs. Es ging durchs Zhongtiao Gebirge, 1000m hoch. Die Strasse fuehrte direkt am Abhang entlang. Ueberall Schlagloecher. Es regnete und war sehr nebelig. Man konnte kaum 20m weit sehen. Ganz schoen gruselig.

Der Palast besteht aus 3 Haupttempeln und einem kleinen Dorf rundrum. Sogar mit Garten und See. Die Waende in den Haupttempeln sind mit riesen Wandbemalungen geschmueckt. Sie erzaehlen ueber das Leben des damaligen Koenigs. Schade, dass das Wetter so grau war, sonst haette es bestimmt noch schoener ausgesehen. Der Palast stand frueher weiter im Sueden, am Yellow River. 1959 wurde er Stein fuer Stein umgesiedelt, denn durch den Dammbau ging die Stadt Yongle unter.

Um 17.00 Uhr waren wir zurueck in Yuncheng. Wir verabredeten uns mit den Maedls fuer 7.00 Uhr morgen frueh. Hoffentlich ist dann besseres Wetter.

Montag, November 17, 2003

Linfen - Yuncheng

8.30 Uhr Ankunft in Linfen. Gleich um die Ecke ins CITS-Buero, ein chinesisches Reisebuero. Nach ettlichem Hin und Her verstand man auch endlich, was wir wollten: Drei Zugtickets fuer heute nachmittag nach Yuncheng sowie eine Fahrt zur Flying Rainbow Pagoda. Die Tickets koennen wir um 14 Uhr abholen. Prima! Mit einem Taxi ging es dann zur Pagoda. Wir wollten neun der dreizehn Etagen hochklettern, so hoch es eben ging. Es war ein richtiges Abentuer und Freude pur. Klettern musste man nicht unbedingt koennen, aber eine gewisse Geschicklichkeit und etwas Mut waren schon von Noeten. Teilweise waren die Stufen mehr als kniehoch und nur wenige cm breit. Nach einigen Stufen musste man sich dann umdrehen und in die entgegen gesetzte Richtung nach oben weiter klettern. Und alles nur im Schein unserer Stirnlampen. Je hoeher wir nach oben kamen, desto enger wurde es. In der 9. Etage - wir wussten gar nicht, dass es bereits die 9. war - war es dann so eng, dass nur noch eine Maus haette weiter klettern koennen. Nach der Pagoda wurden wir noch in Susan's Gefaengnis gefahren. Susan, eine ehemalige ueberaus bekannte Prostituierte, wurde hier gefangen gehalten. In 4 x 4 m grossen Zellen, in denen es kein Licht gab.
Zurueck im CITS-Buero erhielten wir unsere Tickets und wir machten Mittagspause dort. Chinesische Nudeln, wie die heisse Terrine, nur viel besser.

Da wir noch zwei Stunden Zeit hatten, spazierten wir noch ein wenig durch Linfen. Ich liess u. a. die Absaetze meiner Wanderschuhe machen, genau wie bei Ramona in Datong. Auffallend war in Linfen, dass es sehr viele Kolleginnen von Susan (s.o.) gibt. Sie sitzen alle hinter grossen Glasscheiben in einem Zimmer mit Bett oder Couch und TV und warten auf Kundschaft. Am hellichten Tag und mitten im Ort. Jeder geht daran vorbei und jeder kann sehen, wer wann da reingeht. Dass die vielen Susans ueberhaupt Kundschaft haben ...

Auf dem Bahnhofsvorplatz standen mehrere Billardtische und Al und Ramona spielten zusammen sowie ich mit einem aelteren Chinesen. Er machte sich einen Spass daraus, mich abzuziehen. Im zweiten Spiel liess er mich aber dann fast gewinnen. Ich hatte immerhin keine Kugel mehr auf dem Tisch.

Wir erreichten Yuncheng gegen 18 Uhr und gingen gleich ins Hotel nebenan. Endlich mal wieder ein Zimmer mit eigenem Bad. Und sauber war es auch.