Freitag, Juli 02, 2004

Ramona: Frankfurt / Nicole: Guatemala City - Quetzaltenango

Ramona: Frankfurt

Wir landeten mit leichter Verspaetung. An der Passkontrolle hatte ich noch leichte Sprachschwierigkeiten. Ich redete in Englisch zu dem Beamten. Der lachte nur. Dann ging es zum Gepaeckband. Als es endlich anging, kamen saemtliche Taschen raus, nur nicht meine. Es dauerte ewig, und dann hielt das Band einfach an. Es standen noch 5 andere Herren ohne Gepaeck da. Also ab zum Luggageclaim. Das Haeschen war ganz ueberrascht. Oh, da muss ich mal anrufen. Tut mir leid, es ist nichts als zurueck geblieben gemeldet. Na, da muss es ja hier irgendwo sein, oder?! Das Haeschen nahm den Hoerer wieder in die Hand. Es geht jemand nachsehen, ob noch was im Gepaeckraum des Flugzeugs ist. Kontrolliert man so was nicht direkt? Es dauerte eine ganze Zeit. Dann wurde uns gesagt, es kaemen gleich noch ein paar Taschen. Endlich ging wieder das Laufband an. Plup, plup. Das wars. Nur 2 Taschen? Und was ist mit meinem Rucksack? Wieder hiess es warten. So ist schon eine ganze Stunde vergangen. Es kommt gleich noch mehr. Mein Rucksack kam als allerletztes auf das Band gerollt. Na, wenigstens war er mit dabei.

Ich ging zum Ausgang und da stand Sven, um mich abzuholen. Wir fuhren nach Merzig. Es war schon ein total komisches Gefuehl, ploetzlich wieder in Deutschland zu sein. Natuerlich gab es super viel zu erzaehlen, aber irgendwie rauschte alles an mir vorbei. Es war wie in einem Film. Wie lang das wohl anhaelt?

Am Abend ging es noch auf einen Geburtstag. Gleich wieder rein ins Vergnuegen. In der Nacht hab ich zu meinem Erstaunen richtig gut geschlafen. Nichts, von wegen Jetlag.

Nicole: Guatemala City - Quetzaltenango

Puenktlich um 6 Uhr erreichten wir die Hauptstadt. Ich machte mich gleich auf ins Taxi zur naechsten Bushaltestelle. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, noch 2 Stunden auf den Anschlussbus warten zu muessen, aber ich hatte Glueck. Ich hatte mich gerade gesetzt, da ging es auch schon los. Ziel: Quetzaltenango. Von hier moechte ich morgen meine letzte grosse Herausforderung auf dieser Reise starten: die Besteigung des hoechsten Berges Mittelamerikas! Vulkan Tajumulca, 4.220m.

3,5 Stunden spaeter war ich in Quetzaltenango, die von allen nur in der Mayasprache Xela (sprich: Shey-la) genannt wird. Da das Taxi in Guatemala City bereits so teuer war und die Sonne schien, lief ich die gut 2,5km bis zum Hotel zu Fuss. Ich wollte wieder in ein Dorm, da man so schneller Leute kennen lernt. Konnte ja nicht ahnen, wie gross das Dorm ist. Mit 18 anderen Leuten schlafe ich heute nacht in einem Zimmer.

Ich verbrachte den Rest des Tages faulenzend, da ich doch ziemlich geraedert war von den langen Busfahrten.

Um 18 Uhr war dann das Treffen fuer die morgige Besteigung des Vulkans. Insgesamt 16 Jungs und Maedels wollen morgen den Berg erklimmen. Ob das mal gut geht?  Ich mag es ja eigentlich nicht in so einer grossen Gruppe. Aber erst einmal abwarten und Tee trinken. Wir bekamen ein paar Informationen, sowie Schlafsack, Isomatte und warme Klamotten.  
 
Ich habe gleich Kat, eine Kanadierin, kennen gelernt, die genau wie ich schon ganz heiss auf den Tajumulco war. Da es morgen um 4.45 Uhr losgeht, war heute frueh Bettruhe angesagt.

Donnerstag, Juli 01, 2004

Nicole: Flores - Guatemala City / Ramona: Miami – Frankfurt

Nicole: Flores - Guatemala City

Heute konnte ich mal wieder lange schlafen. In den letzten Tagen sind wir ja immer zu den unmoeglichsten Zeiten aufgestanden. Aber ich war schon um 7 Uhr wach. Das gibt es doch nicht! Dennoch blieb ich noch eine Weile liegen, ueberlegte, wie ich den heutigen Tag angehen sollte. Doch das erledigte sich schnell von alleine.

Tim, der Archaeologe, fragte, ob ich mit ihm kommen moechte - ins Biotop Cerro Cahui. Klar, warum nicht? Guana ist heute morgen frueh schon nach Tikal gefahren.
A propos Tikal: Wenn ihr euch wundert, warum Ramona und ich dort nicht auch gewesen sind - tja, wir waren vor 3 Jahren auf einem Tagesausflug von Belize schon mal dort gewesen!

Ich machte mich also mit Tim auf den Weg nach El Remate. Leider faehrt der Bus erst um 11 Uhr, aber so lange wollten wir nicht warten. Wir schnappten uns den naechsten Bus in den Nachbarort und gingen den Rest zu Fuss. Bis wir aufgegabelt wurden von einem Bekannten von Tim. Er fuhr uns direkt zum Biotop.

Erst am Eingang ist es mir aufgefallen! Schon ist Ramona einen Tag weg und ich bin aufgeschmissen. Wo ist denn mein Mueckenspray? Das liegt natuerlich gut verpackt im Rucksack im Hotel. Na prima, das kann ja heiter werden!
Tim und ich waren zwar im Wald unterwegs, aber heute mal mit einem ganz anderen Ziel. Es ging weniger um die Tiere, obwohl wir wieder viele sahen, als um eventuell vorhandenen Maya-Staetten. Tim schreibt an einem Buch und ist daran besonders interessiert. In der Tat fanden wir - ja, auch ich fand eine :) - auf dem 6km langen Rundweg ein paar Plaetze, die von Mayas gebaut wurden. Tim war ganz happy! Ich dagegen hatte mehr mit den Moskitos zu kaempfen, die mich einfach nicht in Ruhe zu lassen schienen. Alleine auf dem Ruecken wurde ich etwa 50x gestochen! Von Armen und Beinen mag ich gar nichts erzaehlen.

Zurueck in Flores trafen wir auch wieder auf Guana. Ein letztes gemeinsames Abendessen. Fuer mich gab's Steak mit Pfeffersosse - wer haette gedacht, so etwas in Guatemala zu finden?! Total lecker!

Um 22.15 Uhr stiegen Guana und ich dann in den Nachtbus nach Guatemala City ein. Zu unserer Ueberraschung hatten wir wirklich viel Platz fuer die Beine und sogar eine Toilette im Bus. An Schlaf war aber fuer mich kaum zu denken.

Ramona: Miami – Frankfurt

Kurz nach 4 Uhr war ich schon wieder wach. Das Flughafentreiben hatte schon heftig eingesetzt. Um 5.30 Uhr machte die Gepaeckaufbewahrung auf und so gab ich meine Taschen ab. Wollte ein bisschen in die Stadt fahren und einen kleinen Einkaufsbummel machen. In den USA gibt es die Klamotten ja zu Spottpreisen. Das muss man ausnutzen. Ich fuhr mit dem Bus zur Dolphin Mall, die groesste in Miami mit 240 Geschaeften. Natuerlich war ich viel zu frueh an. Die Mall machte erst um 10 Uhr auf, aber ich wollte einfach nur raus aus dem Flughafengebaeude. So setzte ich mich auf eine Bank und las gemuetlich in meinem Buch.

Um 10 Uhr gingen die Tueren der Mall auf und ich startete meinen Marathonlauf durch die vielen Geschaefte. Wie gut, dass ich nur 4 Stunden Zeit hatte bevor ich zurueck zum Flughafen musste, sonst haette ich mir einen Container leihen muessen, um die ganzen Sachen nach Deutschland zu transportieren.

Um 17.30 Uhr sollte Abflug sein. Natuerlich hatten wir Verspaetung. Waehrend des Flugs kamen wir in ein Unwetter. Da kam auch schon die Durchsage. Wegen der schlechten Wetterverhaeltnissen verzoegert sich die Landung um ein paar Minuten. Na, wenn’s nicht ein paar Stunden wird! Und dann ging es los. Wir fingen an zu kreisen. 3 mal, 4 mal, 5 mal. Wenn das so weiter geht, schaffen wir den Anschlussflug nie. Dann endlich ging es wieder gerade aus. Leider nur fuer ein kurzes Stueck. Und schon fing das Kreisen wieder an. 20.50 Uhr, das Boarden fuer den Flug nach Frankfurt fing an. Wir kreisen immer noch auf ich weiss nicht wieviel Tausend Meter Hoehe. 21 Uhr, langsam begeben wir uns auf den Landeanflug. 21.10 Uhr, geschafft. Jetzt aber die Beine in die Hand. Der Flug nach Frankfurt hebt in 15 Minuten ab. In der Halle wurden wir abgefangen. Frankfurt? Ja. Gleich hier. Es wurde auf eine ewig lange Warteschlange gewiesen. Puh! Sie fingen gerade erst an mit dem Bboarden. Wie gut, dass die USA immer so viele Verspaetungen hat. Auf geht’s nach Frankfurt.

Mittwoch, Juni 30, 2004

Ramona: Rio Dulce - Miami / Nicole: Rio Dulce - Flores

Ramona: Rio Dulce - Miami

Ein letztes gemeinsames Fruehstueck. War ja schon ein komisches Gefuehl. Jetzt ist schon wieder alles vorbei. Man, ging das Jahr schnell rum. Gestern war uns gesagt worden, dass die Busse nach Guatemala City und Flores stuendlich abfahren. So liessen wir uns zu um 9 Uhr zur Stadt bringen. Doch als wir die Tickets kaufen wollten, hiess es, der naechste Bus nach Guatemala City waere erst um 10.30 Uhr. Auch das noch! Zum Glueck sind es nur 5 Stunden Fahrt, da kommt es noch hin mit meinem (Ramona) Flug nach Miami. Wir setzten uns und tranken noch eine letzte Dose Cola. Die Zeit verging wie im Flug. Schon war es kurz vor 10 und Nicoles Bus nach Flores kam. Ein Blitzabschied und schon stand ich alleine da. Schnief. Das war schon seltsam. Nach so langer Zeit des zusammen reisens. Wir haben uns beide einen grossen Traum erfuellt. Wenn es auch manchmal nicht einfach war, aufgegeben haetten wir nie. Jetzt ist das Reisen vorbei, aber unsere Freundschaft noch lange nicht.

Mein Bus kam um 10.30 Uhr. Eine Viertelstunde gefahren, 30 Minuten gehalten. Eine weitere Viertelstunde gefahren und wieder 30 Minuten gehalten. Also, wenn das so weitergeht, verpasse ich meinen Flug doch noch. Es wurde unertraeglich heiss im Bus und die Einheimischen weigerten sich, die Fenster zu oeffnen, da ihnen der Zugwind zu stark war. Aaaah! Kurz nach 16 Uhr kamen ich in Guatemala City an. Mit dem Taxi ging es direkt weiter zum Flughafen. Der Taxifahrer fing natuerlich direkt ein Gespraech mit mir an. Natuerlich auf Spanisch. Ich schlug mich tapfer. Konnte mich tatsaechlich richtig gut mit ihm unterhalten. Nicole waere stolz auf mich gewesen.

Um 18.30 Uhr war Abflug. Auf Wiedersehen Guatemala. Bereits 2,5 Stunden spaeter war ich in Miami. Durch die Zeitverschiebung war es hier schon 23 Uhr. Es war schon alles geschlossen, so suchte ich mir einen Platz unter den Stuehlen zum Uebernachten.

Nicole: Rio Dulce - Flores

Ein komisches Gefuehl in den Bus zu steigen und Ramona zum Abschied zu winken. Dieses Mal ist es endgueltig - wir werden uns erst wieder in Deutschland wieder sehen. Wie soll ich mich fuehlen? Traurig, weil Ramona weg ist. Klar. Gespannt, weil ich alleine reisen werde. Auch klar. Aber vor allen Dingen auch stolz, da wir uns gemeinsam einen Traum erfuellen konnten und fast ein ganzes Jahr zusammen gereist sind. Und dazu auch noch Freunde geblieben sind! Das soll uns erst mal jemand nach machen!!

Die Fahrt nach Santa Elena verlief wesentlich schneller als ich erwartet hatte. Dort wurde ich von einem Minibus abgeholt und auf die kleine Insel Flores gebracht, die durch eine etwa 500m lange Bruecke mit dem Festland verbunden ist. Flores ist ein schoener Fleck, bekannt im ganzen Land, mir jedoch zu sehr auf Tourismus gemuenzt. Nach dem Einchecken in einem Dorm - seit Ewigkeiten mal wieder mit mehreren Leuten in einem Zimmer schlafen - machte ich mich auf Erkundungstour.

Abends ging ich mit zwei Amerikanern essen, Tim, ein Archaeologe und Guana, ein blutjunges amerikanisches Maedchen, das in La Ceiba/Honduras arbeitet und nur auf einen Abstecher hier nach Guatemala gekommen ist.

Dienstag, Juni 29, 2004

Rio Dulce

Bereits um 6.45 Uhr sassen wir im Boot von Hugo. Um die Seekuehe zu sehen, die hier im Fluss Dulce leben, sollte man sehr frueh an sein. Das Wetter schien gut zu sein, also standen unsere Chancen, die Manatees zu sehen, gar nicht so schlecht.

Vorbei an Mangrovensuempfen ging es in Richtung Biotop Chocón-Machacas, das zum Schutz der wunderschoenen Flusslandschaft und vor allem der Seekuehe dient. Hugo fuhr sehr langsam, damit das Motorgeraeusch die eventuell auftauchenden Saeugetiere nicht erschreckt. Ueber eine Stunde waren wir unterwegs, doch es sollte einfach nicht sein. Dabei wollte doch gerade Ramona die Manatees unbedingt sehen. Aber da, was ist das? Da schaut doch etwas aus dem Wasser ... ja, stimmt. Lass uns mal naeher ran fahren ... aber es war leider "nur" ein Wasserhund.

Im Biotop liefen wir einen Naturweg und waren erstaunt, wie gut sich Hugo hier auskannte. Er zeigte uns viele Sachen und wir sahen viele verschiedene Insekten, Spinnen und sogar ein Tier, das aussah wie ein Schwein, dessen Name wir aber vergessen haben. :) Nur die vielen Moskitos waren hier etwas stoerend.

Hugo fuhr uns anschliessend noch zu einem Hot Spot, wo wir baden gehen koennen. Wo das wohl sein wird? Der Fluss ist zwar recht warm, aber zum Baden ... naja! Irgendwann hielt Hugo einfach an. Wie? Und hier sollen wir jetzt schwimmen? Wir befanden uns am Flussufer und richtig einladend sah es allerdings nicht aus. Dennoch wagten wir es. Irgendetwas musste hier ja dran sein, denn die Einheimischen nennen diesen Platz hier "Agua Caliente" (heisses Wasser). Wir mussten sehr aufpassen, uns an den grossen Steinen nicht die Fuesse aufzuhauen, aber wir konnten den Dampf ueber dem Wasser schon sehen. Auch roch es hier nach Schwefel. Tatsaechlich, hier gibt es einzelne Stellen, die richtig warm sind. Hier laesst es sich aushalten. "Geht noch etwas weiter", rief Hugo uns zu. Doch Ramona schrie schon "autsch". Was war los? Das Wasser ist kochendheiss! So ein Quatsch. Ich wollte es ihr nicht glauben und tat falsch daran. In der Tat war das Wasser hier so heiss, dass man sich daran verbrennen konnte. Doch das Wasser war nicht staendig so temperiert, es waren immer nur solche Phasen. Wir setzten uns eine ganze Weile dort auf die Steine und genossen unsere Badewanne.
Hugo kam irgendwann auch dazu und zeigte uns, wie man hier eine natuerliche Maske aufsetzt. Er brach ein paar Steine aus dem Felsen und rieb diese aufeinander. Die sich bildende Masse schmierten wir uns dann ins Gesicht. Genau wie ein Gesichts-Peeling. Man spuerte sofort, wie die Haut sich spannte ... Nach einigen Minuten wuschen wir sie wieder ab und ... unsere Haut war viel weicher. Gleich probierten wir es nochmal aus.

Als dieser Ort von noch mehr Touristen aufgesucht wurde, war es fuer uns Zeit, abzuhauen. Doch halt, was ist das? Eine wunderschoene giftgruene Schlange schlaengelte sich ueber uns. Sie war wirklich bildhuebsch und ueber einen Meter lang. In dem Gruen der Baeume kaum zu erkennen, doch Hugo ...

Wir machten uns dann doch auf den Rueckweg. Auf dem Fluss ankerten wir nochmal etwa eine Stunde und warteten auf die Seekuehe. Doch sie wollten sich einfach nicht zeigen.

Zurueck im Hotel setzten wir uns gleich ins Restaurant und assen endlich mal etwas. Es sollte unser letztes gemeinsames Abendessen sein. Zumindest auf dieser Reise. Wir goennten uns zum Abschied noch einen Cocktail und verschwanden dann mit einem leichten Schwips im Bett.

Sonntag, Juni 27, 2004

Chicacnab - Coban

Um 5.30 Uhr war Abmarsch angesagt. Alejandro war sich nicht sicher, aber er glaubte, dass um 7 Uhr noch ein Bus von San Lucas nach Charcas faehrt. Dann muessten wir nicht 4 Stunden laufen ... Den Weg, den wir am Freitag in 2 Stunden gelaufen sind, sollten wir also zurueck in 1,5 Stunden laufen. Doch wir kamen erst um 5.50 Uhr los. Ob wir es schaffen?

Da es noch frueh am morgen war und es nicht viel geregnet hatte in der letzten Nacht, war es heute nicht so matschig und so kamen wir gut voran! In der Tat schafften wir den Marsch in 70 Minuten. Tatsaechlich stand dort auch schon der Vieh-Transporter. Klasse, dann hatten wir es also doch geschafft.

2 Stunden spaeter waren wir in Coban, wo wir uns auf eine heisse Dusche freuten. Doch im neuen Hotel - das alte war ausgebucht - sprach man zwar von heissem Wasser ... allerdings nicht in der Dusche. :(

Wir goennten uns nochmal ein gemuetliches Fruehstueck und faulenzten den Rest des Tages. Schliesslich steht morgen wieder ein Tag im Bus an!

Freitag, Juni 25, 2004

Coban - Chicacnab

Wir waren um 9.45 Uhr am Buero "Ecoquetzal". Da wir ja seit Suedkorea schon keine Schlafsaecke mehr bei uns haben, liehen wir uns hier eine Decke, die wir sicher in den naechsten beiden Naechten dringend brauchen werden. Dann hiess es warten. Unser Guide Alejandro war zwar bereits da, aber ...

Etwa eine Stunde spaeter waren wir unterwegs. Wir mussten zuerst mit dem Bus nach Charca fahren (ca. 15 Minuten), dann nochmal knapp 1,5 Stunden mit einer Art Viehtransporter. Nur wurde damit kein Vieh sondern Menschen transportiert.

Um 13.30 Uhr starteten wir unseren Hike von San Lucas nach Chicacnab. 2 - 3 Stunden sollte es dauern. Es fing schon gleich steil nach oben an. Doch nicht nur das - es war verdammt matschig und schon bald hatten wir Drecksklumpen an unseren Schuhen. Allerding hatte es keinen Sinn, diese abzuklopfen, da man gleich wieder neue dran haengen hatte. Obwohl es total schmierig und klebrig war, und wir aufpassen mussten, dass wir nicht in den Schlamm fallen, hatten wir viel Spass.

Tatsaechlich waren wir nach 2 Stunden Wandern schon auf 2.500m und somit in Chicacnab, wo Alejandro zu Hause ist. Schon gleich wurden wir stuermisch von seinen 3 Jungs begruesst (der juengste laeuft noch nicht, sonst waere er sicher auch dabei gewesen). Alejandro fuehrte uns in sein Haus, ein Holzhaus. Der Boden war die Erde. Ramona und ich bekamen ein separates Zimmer mit zwei Betten. Uns war schnell klar, dass es hier kalte Naechte geben wird.
In Chicacnab, ein kleines Dorf mit etwa 100 Einwohnern, gibt es eine Kirche, in der sonntags 4 Stunden lang gebetet wird, und einen Sportplatz, der so buckelig und hubbelig war, dass unsere Kinder dort mit groesster Sicherheit keinen Fussball spielen wuerden. Alejandro jedoch war ganz stolz als er davon sprach.

Wir bekamen zu Mittag Ei mit Bohnen und natuerlich Tortillas, die Angelina am offenen Feuer mitten in der Kueche fuer uns machte. Zu trinken gab es Kaffee. Und sogar ich (Nicole) hab den Kaffee getrunken. Denn der ist richtig lecker - riecht wie Kaffee aber schmeckt wie Tee. Mmmmh!

Die Kinder in ihren zerrissenen Klamotten und Schnuddelnasen erinnerten uns sehr an die Kinder in Lhasa. Sie gingen um 17 Uhr zum Fussball spielen und wir halfen Angelina beim Abwasch - draussen in der Eiseskaelte mit eiskaltem Wasser. Als Spuelmittel benutzt sie Waschmittel. Wir froren uns in unseren Fleece-Jacken fast den A.... ab, doch Angelina stand neben uns im Top. Brrrrr!

Zurueck in der warmen Kueche sassen wir noch gemuetlich ums Feuer. Da es keine Elektrizitaet hier gibt, dienten die Kerzen als Licht. Ich hatte das Baby auf dem Schoss, das ausser einem T-Shirt nichts trug. Klar, dass ich so auch schon bald angepieselt wurde. Doch niemand reagierte. Alejandro und Angelina lachten nur und sagten "mucho agua"! Tja, so kann man das auch sehen. :)

Mittwoch, Juni 23, 2004

Cobán - Lanquín

Heute morgen liessen wir es langsam angehen. Wir hatten sowieso nicht viel geplant und wollten nur Informationen fuer eine eventuelle Wandertour besorgen. Unser Bus nach Lanquín faehrt erst um 12 Uhr. Also blieben wir heute etwas laenger im Bett. Doch um 8.15 Uhr schon hatten wir Hummeln im Hintern. Die heisse Dusche wartete auf uns. Und sie war wirklich heiss - wir verbrannten uns fast. Aber ach, wie gut das tat!

Nach einem gemuetlichen und leckeren Fruehstueck gingen wir zum Buero des "Ecoquetzal". Man gab uns einen Ordner mit Informationen ueber die angebeotenen Touren, doch leider waren alle mit 2 Uebernachtungen. Soviel Zeit hatten wir eigentlich nicht mehr.
Da die Zeit fuer den Bus knapp wurde, einigten wir uns darauf, dass wir uns das ueberlegen und uns morgen nochmal telefonisch melden. Uns blieben fuenf Minuten, um bis zur Bushaltestelle zu laufen. Klar, dass das nicht funktionieren konnte. Auch, weil wir den Platz gar nicht auf Anhieb fanden. Als wir endlich da waren, war es natuerlich zu spaet! Eigentlich sollten hier regelmaessig Busse fahren, es gab auch welche, aber nicht dorthin, wo wir hin wollten. Also gingen wir einfach mal los ... und fanden tatsaechlich einen Minibus, der nach Lanquín fuhr. Im Radio verfolgten wir das Spiel der Deutschen gegen die Tschechei. Das haetten wir besser auch gelassen! :(

Wir erreichten Lanquín gegen 15.20 Uhr - noch rechtzeitig, um in die Hoehle zu gehen. Schnell checkten wir in der Posada Ilobal ein und waren wieder on Tour. Die Hoehle fuehrt mehrere Kilometer in die Erde, doch ist noch lange nicht alles erforscht. Die ersten Hundert Meter sind durch einen beleuchteten Weg gekennzeichnet, doch immer noch ist das meiste des Unterirdischen unangetastet. Der Boden war sehr rutschig und matschig, das mit dem sicheren Halt trotz Wanderschuhe war jedoch so eine Sache. Ungewoehnlich fuer eine Hoehle war es hier verdammt heiss. Und wir schleppten noch unsere Pullover mit! Wie froh Ramona und ich doch sein konnten, dass die Hoehle fuer uns nur einige Hundert Meter lang war, denn die Stalagmiten und Stalagtiten raubten uns fast den Atem. Wir wussten ueberhaupt nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Die Hoehle war sehr gross und hoch und teilweise kamen wir uns richtig verloren vor. Ja, bis die ganzen Tourigruppen kamen, die meinten, so richtig laut sein zu muessen. Vorbei war es mit der Ruhe! Dennoch hielten wir uns Ewigkeiten an den einzelnen Formationen auf, die meist wie Tiere (Elefant, Uhu, Tiger, Loewe,...) aussahen. Es war fast 18 Uhr, als wir aus der Hoehle rauskamen.

Wir setzten uns vor den Eingang der Hoehle und warteten auf den Sonnenuntergang. Das ist naemlich der Zeitpunkt, an dem aus der Hoehle Hunderte wenn nicht Tausende von Fledermaeusen rausfliegen. Fast eine Dreiviertelstunde sassen wir dort, lauschten dem Rauschen des Flusses, schauten uns den gegenueberliegenden Wald an - wir meinten sogar, dort Affen gesehen zu haben - und beobachteten die vielen Gluehwuermchen um uns herum. Dann gegen 18.45 Uhr begann das Spektakel. Tatsaechlich kamen unzaehlige Flerdermaeuse aus der Hoehle, die dann am Himmel die unglaublichsten Flugformationen zeigten. Schon erstaunlich, wie nah sie neben-, ueber- oder untereinander fliegen und nicht gegeneinander fliegen. Auch bewegte sich kaum ein Blatt von den Baeumen, durch die sie flogen. Wir verfolgten das Spiel etwa eine halbe Stunde und gingen dann im Schein unserer Taschenlampen zurueck.

Wir hatten es uns gerade im Café Semuc gemuetlich gemacht und bestellt, als der Strom ausfiel und es anfing, in Stroemen zu regnen. Da hatten wir aber nochmal Glueck gehabt. Wir genehmigten uns einen leckeren Burger und gingen dann frueh ins Bett.

Montag, Juni 21, 2004

Santa Cruz La Laguna - Nebaj

Ich (Nicole) wachte bereits um 4.15 Uhr auf - Durchfall! Na prima, damit hatte ich ja jetzt lange Zeit nichts mehr zu tun. Ausgerechnet heute, wo wir doch wieder den ganzen Tag im Bus verbringen werden. Dennoch wollte ich es riskieren - nach mehreren Toilettengaengen machten wir uns um 7.15 Uhr mit der Faehre nach Panajachel.

Von hier wollten wir eigentlich in den Bus nach Chichicastenango (kurz Chichi) steigen, doch der Busjunge aus dem kommenden Bus winkte uns gleich zu. Steigt hier mit ein, das geht schneller. OK, wir vertrauten ihm. In der Tat waren wir im Nu im naechsten Ort und konnten in den Bus nach Chichi umsteigen. Wir wunderten uns zwar, dass die Fahrt guenstiger als die erste war, dachten uns aber nichts dabei. Wir wurden rausgelassen und fragten gleich nach, wo es denn hier nach Nebaj geht und man wies uns die Richtung. Es war richtig kalt hier und es nieselte. Wir stellten uns unter und liessen ein paar Busse an uns vorbei fahren, da nirgends Nebaj angeschrieben stand. Wir wunderten uns und fragten nach - tja, wir sind noch gar nicht in Chichi. Aber steigt ruhig hier ein. Nach Nebaj muesst ihr dann noch einmal umsteigen. Man, war das kompliziert.

Doch nach insgesamt 7 Stunden erreichten wir unser heutiges Ziel, wo wir uns ein schoenes Zimmer mit heisser Dusche und TV goennten. Der Ort an sich war nichts Besonderes, also gingen wir gleich los, die Umgebung zu erkunden. Insgesamt waren wir 3 Stunden unterwegs doch atemberaubende Landschaften, wie im Reisefuehrer beschrieben, konnten wir nicht sehen. Vielleicht lag es aber auch am stroemenden Regen oder am vielen Muell, der im Fluss und auch am Wegesrand lag.

Wir assen zu Abend eine richtig leckere Pizza und fielen frueh todmuede ins Bett.

Samstag, Juni 19, 2004

Antigua - Santa Cruz La Laguna

Bereits um 6.30 Uhr waren wir auf dem Weg zum Bus. Wir wollten den Local Bus nehmen und nicht mit einem teuren Shuttle fahren, der extra fuer die Touristen angeboten wird. Doch als wir um die Ecke kamen ... ja, was ist denn das? Warum stehen denn dort nur Touristen?! Unfassbar - der komplette Bus war voll! Das kann ja heiter werden.

Wir kamen in Panajachel an und gingen gleich zum Tauchshop. Doch der hatte zu und man sagte uns, wir sollten nach Santa Cruz La Laguna fahren. Da es dort auch Uebernachtungsmoeglichkeiten gibt und Panajachel - das hatten wir bereits auf dem Weg zum Tauchshop gesehen - ein reines Touristenzentrum ist, war die Entscheidung gleich gefaellt.

Mit einer Lancha (kleines Boot) ging es ueber den Lake Atitlan nach Santa Cruz La Laguna. Der See gilt als einer der schoensten Seen der Welt und ist eine eingestuerzte Caldera (An der Spitze von Vulkanen bilden sich oft Krater als Folge von einsinkender Lava in den Schlot, nachdem sich der Vulkan beruhigt hat. Manchmal wird dieser Krater so tief, dass die Wände instabil werden und in sich zusammenbrechen. Es entsteht eine breite Senke, die man Caldera nennt. Ihr Durchmesser kann mehrere Kilometer betragen.)
Die Fahrt ueber den bis zu 320m tiefen See nach Santa Cruz dauerte nur 10 Minuten und kurz darauf hatten wir uns schon im Hostel einquartiert. Alles wunderbar, allerdings gab es keine Elektrizitaet! Normalerweise auch kein Problem, doch wo sehen wir uns nun das Deutschland-Spiel an?? Wir hatten keine Chance - es musste heute ohne unsere Unterstuetzung statt finden.

Stattdessen schauten wir uns die Gegend etwas an und marschierten los. Santa Cruz ist ein richtig kleiner Ort, allerdings verteilt er sich in den Bergen. Ganz schoen anstrengend, wenn man bis zum letzten Haus moechte. Unterwegs kamen wir bei einem Einheimischen vorbei, der Radio hoerte. Fussball? Ja ... aber noch kein Tor gefallen. Na super! Und nur noch 10 Minuten zu spielen. Da ist ja klar, dass da nichts mehr passiert!

Wir machten im Hotel unseren Tauchkurs fuer morgen klar und verbrachten den Rest des Tages mit Faulenzen. Abends gab es ein Barbeque mit den anderen Gaesten des Hauses.

Donnerstag, Juni 17, 2004

San Salvador - Antigua (Guatemala)

Armando erwartete uns bereits. Zum letzten Mal wollten wir mit ihm Taxi fahren. Bis zum Busterminal, um nach Guatemala City zu fahren. Die Fahrt war kurz und bereits um 7.45 Uhr hatten wir unser Ticket in der Hand. Wir holten unser Gepaeck aus dem Auto und verabschiedeten uns von Armando. Halt, war da nicht noch was? Ach herrje, wir hatten ganz vergessen, Armando zu bezahlen. Natuerlich sollte er sein Geld bekommen! Dass er aber auch nichts gesagt hatte!!

Die Fahrt im Kuehlschrank-Bus dauerte 5 Stunden. Die Klimaanlage lief mal wieder auf vollen Touren und wir waren Eiskloetze als wir um 13.45 Uhr in Guatemala City ankamen. Wir nahmen gleich ein Taxi, um zum anderen Busterminal zu kommen. Schliesslich sollte es gleich weiter nach Antigua gehen.

Antigua ist ein kleines Kolonialstaedtchen, umgeben von 3 Vulkanen. Die Stadt erinnert uns etwas an Granada (Nicaragua) mit den vielen bunten Haeusern und den gepflasterten Strassen.
Nach dem Einchecken im Hotel "Place to stay" machten wir uns gleich an das Erkunden der Stadt. Und buchten ausserdem gleich ein Ticket fuer die morgige Tour nach Monterrico.

Den Abend verbrachten wir seit langer Zeit mal wieder im Internet. Hier hatten sich doch eine Menge eMails angesammelt, die beantwortet werden wollten.

Dienstag, Juni 15, 2004

San Salvador

Puenktlich um 7.30 Uhr wurden wir von Armando abgeholt. Es sollte zum Cerro Verde gehen. Dieser Berg ist ein Nationalpark auf einem alten Vulkan. Von hier soll man schoene Aussichten auf den Lago de Coatepeque sowie den noch rauchenden Vulkan Izalco haben. Izalco war bis vor 1770 lediglich ein Loch in der Erde und erst im Laufe der Zeit bildete sich der Vulkan bis auf seine heutige Hoehe von 1910 m. Der Izalco wird aufgrund seiner Aktivitaeten - Ausstossen von Rauch, Steinen und Flammen - auch als Leuchtturm des Pazifik bezeichnet. 1957 stoppte der Vulkan seine Aktivitaeten, nach 187 Jahren kontinuierlichen Ausbrechens. Dennoch gilt der Vulkan noch als aktiv.

Am Eingang des Nationalparks muessen wir 1$ pro Person Eintritt sowie 0,69$ Parkgebuehr zahlen. Auf dem Parkplatz erfuhren wir dann, dass es zu gefaehrlich sei, den Izalco alleine zu besteigen. Wir sollten bis 11 Uhr warten, dann koennen wir mit einem Guide und einem Polizisten gehen. Um 11 Uhr erst? Das sind ja fast 1,5 Stunden. Warum denn gefaehrlich? Wegen rumlungender Banditen, es ist zu eurer eigenen Sicherheit. Hmmm... Und warum ist der Park bereits um 8 Uhr geoeffnet, wenn die Guides erst um 11 Uhr erscheinen? Das ist nur in der Woche so. Grrrrrrr! Was blieb uns uebrig? Wir nutzten die Chance und gingen wenigstens den 1300 m langen Rundkurs und kamen so zum Aussichtspunkt fuer den See und den Vulkan Santa Ana (2365 m).
Um kurz vor 10 Uhr waren wir mit dem Rundkurs fertig. Auch Armando, der uns begleitet hatte und noch nie hier gewesen war, hatte es gefallen. Da wir nicht noch eine Stunde auf den Guide warten wollten, entschieden wir ueber Santa Ana nach Suchitoto zu fahren. So koennen wir zwei Sachen machen, die wir urspruenglich fuer 2 Tage vorgesehen hatten und somit einen Tag gewinnen.
Armando war einverstanden. Doch er fuhr einfach nicht den Weg, den wir wollten. Ueber Santa Ana sei viel weiter. Ein Blick auf unsere Karte verriet uns, dass das nicht stimmt, aber es interessierte ihn gar nicht. Er fuhr einfach ueber San Salvador. So geht es aber nicht! Wir zahlen, dann musst du auch so fahren, wie wir wollen...

Wir kamen auch so nach Suchitoto, das 47 km noerdlich von Sann Salvador liegt - 380 m ueber dem Meeresspiegel. Einige der ersten Kaempfe des Buergerkrieges begannen in Suchitoto und hielten fuer 13 Jahre an. Seit 1993 ist die Kleinstadt (ca. 16.000 Einwohner) dabei, die Stadt wieder aufzubauen. Wir wollten uns die kolonialen Gebaeude, die gepflasterten Strassen sowie den Lago Suchitlan mal naeher anschauen.
Am See fuehlten wir uns fast wie zu Hause: saftig gruene Wiesen, auf denen die Kuehe grasen, auf der einen Seite der See, im Hintergrund die Berge. Richtig schoen idyllisch und prima, um etwas abzuhaengen. Wir goennten uns eine kalte Cola in einem "Café" und genossen die herrliche Ruhe.

Zurueck in San Salvador machten wir noch ein paar kleine Besorgungen und dann fuhr Armando uns zum Hotel. Wir gaben ihm die abgemachte Summe des Geldes, doch wollte er sich damit nicht zufrieden geben. Schliesslich haetten wir ihm gestern ja nichts von Suchitoto erzaehlt. ?? Das ist zwar richtig, aber wir hatten ihn fuer den ganzen Tag gebucht und auch nach diesem Preis gefragt. Ich (Nicole) blieb ganz ruhig und war so froh, dass mir die richtigen Worte auf Spanisch eingefallen sind. Letztendlich gab Armando nach - ob es daran lag, dass ich erwaehnte, dass wir ihn doch morgen auch noch mal brauchen wuerden?

Heute abend war Fussball angesagt. Deutschland - Holland, der Knueller! Das Spiel war zwar schon lange aus, aber da wir das Ergebnis noch nicht kannten, schauten wir uns die Partie in der Wiederholung an. Fuer uns war es wie live! Schade nur, dass es nicht zu einem Sieg gereicht hat. Allerdings waren wir vom Auftreten der deutschen Mannschaft doch positiv ueberrascht.

Sonntag, Juni 13, 2004

León - Choluteca (Honduras)

Wir waren ganz aufgeregt, der juengste und aktivste Vulkan Nicaraguas steht auf dem Programm - der Cerro Negro. Nur durch Zufall hatten wir von diesem Vulkan erfahren, in unserem Reisefuehrer ist er mit keinem Wort erwaehnt.

Um 7 Uhr klopfte es an unserer Tuer. Wir wurden also puenktlich abgeholt. Erst jetzt erfuhren wir jedoch, dass wir bis um 11 Uhr ausgecheckt haben muessen. Besetzen wir das Zimmer auch nur eine halbe Stunde laenger, muessen wir fuer die naechste Nacht zahlen. Der Hit! Also noch schnell die Sachen zusammen gepackt und das Zimmer geraeumt.

Um 7.10 Uhr ging es los. Mit dabei das Haeschen, bei der wir gestern die Tour gebucht hatten, ihr Vater und ihr Freund. Dann holten wir noch ihre Mutter und einen Tourguide ab. Wir waren uns gestern ueberhaupt nicht bewusst gewesen, dass wir einen Familienausflug gebucht hatten!?
Wir fragten nach, ob sie jeden Sonntag an den Vulkan fahren und das Haeschen antwortete mit ja. Oh, dann muss es ja wirklich langweilig fuer sie sein. Doch das Haeschen musste uns falsch verstanden haben - an unserem Spanisch lag es sicher nicht! :), denn ganz schnell stellte sich heraus, dass niemand wirklich den Weg kannte. Na, das kann ja heiter werden! Zwar gab es Schilder, aber nicht an jeder Kreuzung. Es war also abzusehen, dass wir frueher oder spaeter die falsche Abzweigung nehmen werden. Der Vater wurde richtig laut und wuetend, ihm war das wohl peinlich. Ramona und ich lachten nur. Irgendwann werden wir schon ankommen ...

Um 8.20 Uhr war es soweit - es galt, den 726m hohen und noch aktiven Vulkan zu erklimmen. Ueber die grossen und kleinen schwarzen Lavasteine mussten wir laufen. Dieser Vulkan war so ganz anders als alle bisher gesehenen. An einigen Stellen waren die Steine auch gelb, weiss oder rot. Rot wie gluehende Lava. Ramona und ich waren gut drauf und bald konnten uns der Tourguide und des Haeschens Freund nicht mehr folgen. Dabei war es doch gar nicht so steil ... und der Tourguide war da, um uns den Weg zu zeigen. Pah! Was brauchen wir 'nen Tourguide?!
Wir schauten uns die Stellen, an denen der Vulkan noch raucht, naeher an. Der Schwefelgeruch war so stark, dass wir staendig husten mussten. Allzu lange konnten wir uns hier also nicht aufhalten und so gingen wir weiter bis zum Gipfel.
Der Ausblick war gigantisch: der schwarze Sand von der letzten Eruption aus dem Jahre 1992, dazwischen das saftige Gruen der Baeume. Genial! Der Blick vom Gipfel direkt in den Krater raubte uns den Atem. Es war einfach unbeschreiblich.
Je hoeher wir kamen, um so mehr Insekten und Kaefer liessen sich blicken. Sie schwirrten nicht nur um uns, nein sie setzten sich auch auf uns und unsere Klamotten. Wir waren im Nu voll mit Insekten ... So lange sie uns nichts tun!

Der heutige Abstieg sollte auch etwas Besonderes sein. Ohne Schmerzen in den Knien, ohne Blasen an den Fuessen ... wir gingen zur sandigen Seite des Vulkans, wollten einfach den Hang hinunter rutschen. Es war sehr steil und am Anfang kostete es etwas Ueberwindung. Doch schnell hatten wir den Dreh raus und liefen fast schon den steilen Abhang hinunter. Wir traten richtige Sand-/Steinlawinen los - es war ein riesen Spass! Fast so gut wie das Sand-Skifahren. Nur viel zu schnell vorbei!

Um 12 Uhr hiess es fuer uns erneut Aufbrechen. Wir wollten heute wenigstens noch bis Honduras kommen. Die erste Fahrt bis nach Chinandega verlief ohne weitere Vorkommnisse. Dort angekommen deutete man uns an, dass wir auf den Bus nach Guasaule noch einige Minuten warten muessen. Kein Problem. Ramona hatte sich gerade einen Hot dog gekauft, als langsam der Bus nach Guasaule an uns vorbei fuhr. Ich rannte sofort los, wollte ihn anhalten. Wir hatten doch schliesslich keine Zeit zu verlieren. Einige Maenner halfen mir und schrien laut los. Der Bus hielt tatsaechlich. Genial. Ich rannte zurueck zu Ramona, wir schnappten unsere Rucksaecke und liefen in Richtung Bus. Der kam uns schon rueckwaerts entgegen, die Tuer hatte man schon geoeffnet, so dass wir schnell aufspringen konnten. Wir hatten gerade Platz genommen, da realisierten wir es. Der Bus setzte weiter zurueck und blieb stehen. Nur gut, dass wir uns so beeilt hatten, in einen parkenden Bus zu kommen! 10 Minuten spaeter war dann Abfahrt.
Die Fahrt war die reinste Hoelle, da sie ueberwiegend ueber ungeteerte Strassen fuehrte. Das hielt den Busfahrer jedoch nicht davon ab, schnell zu fahren und die Schlagloecher zu so mitzunehmen, wie es ihm passte. Mehrmals kam es vor, dass wir hoch in die Luft flogen als wir ueber ein solches Loch bretterten.
Wir waren so froh als wir um 16.30 Uhr endlich in Guasaule ankamen. Von dem ganzen Dreck und Staub sahen Ramona und ich schon aus wie Schornsteinfeger. Ob man uns so ueberhaupt noch ueber die Grenze laesst?!

Ein junger Kerl bot uns seinen Fahrdienst an - mit seinem Spezial-Fahrrad wollte er uns ueber die Grenze fahren zu den entsprechenden Aus- und Einreisebueros, ja sogar bis zum Bus. Na prima. Bei der bulligen Hitze waren wir froh, keinen Meter laufen zu muessen.

Um 17 Uhr war Abfahrt und eine Stunde spaeter waren wir in Choluteca in unserem Quartier fuer die Nacht. Fuer 5$ gab es nicht nur ein grosses sauberes Zimmer, nein, auch Handtuecher, Seife und sogar TV. Allerdings haette das Wasser in der Dusche kaelter sein koennen! Und es waere auch schoen gewesen, wenn wir Wasser fuer die Toilette gehabt haetten - aber wir sind ja nur eine Nacht hier.

Freitag, Juni 11, 2004

Laguna de Apoyo

Um 7.30 Uhr gab's Fruehstueck: Gallopinto mit Ei, das typische Fruehstueck in Nicaragua - Reis mit roten Bohnen gemischt, dazu Ruehrei. Wirklich lecker, auch wenn Reis am fruehen Morgen nicht jedermanns Sache ist.

Unser Divemaster Lorenzo hatte sich verspaetet aber um 9.40 Uhr konnten wir endlich loslegen. Wir suchten unser Equipment zusammen und waren 20 Minuten spaeter im Wasser. Da wir ja heute in einem Kratersee tauchen gehen, muessen wir auch nicht mit dem Boot rausfahren. Wir konnten in den See laufen und nach ein paar Metern ging es ganz steil nach unten, so dass wir abtauchen konnten. Aber Ramona, wo bleibst du denn? Ramona war noch immer an der Wasseroberflaeche, kam einfach nicht nach unten. Da braucht sie wohl noch etwas Gewicht. Lorenzo gab ihr erst einmal in paar Steine vom Boden, aber die nutzten ja ueberhaupt nichts. Die Steine hier sind ja federleicht. Nee, da muss Lorenzo nochmal zurueck gehen. Beim zweiten Anlauf klappte es dann. Auch Ramona konnte abtauchen. Die Sicht im See war leider nicht wie erhofft, wir sahen leider nur etwa 5m weit. Der Boden hier war sandig mit einigen Steinen. Viel Unterwasserleben gibt es hier nicht, aber das, was wir hier sahen, war einzigartig. 3 verschiedene Fischarten, die es nur hier in dieser Lagune gibt! Darunter waren sogar Fische, die zwar Augen haben, aber nicht sehen koennen sowie Fische, die zwar Vorrichtungen fuer Augen haben, aber keine Augen haben. Die sahen wirklich komisch aus. Ausserdem sahen wir eine relativ grosse Krabbe, das war schon fast ein Erlebnis hier im See. Wie die wohl hierher gekommen ist?

Nach dem zweiten Tauchgang ging es schnell unter die Dusche und um 14 Uhr waren wir "on the road again". Auf nach León - 1524 von Francisco Fernández de Cordoba gegruendet. Die heutige Stadt liegt 32 km von dort, wo sie damals gegruendet wurde am Fusse des Vulkan Momotombo. 1610 verursachte die Aktivitaet des Vulkans ein Erdbeben, das die alte Stadt zerstoerte. Bis 1857 war León Hauptstadt Nicaraguas (heute ist es Managua) und ist heute eine der wenigen Staedte Nicaraguas, die klar mit Strassenschildern ausgezeichnet ist.

Wir erkundeten die Stadt ein wenig und assen vor der Kathedrale einen Hot Dog zu Abend. Die werden hier an jeder Ecke angeboten, also etwas, was die Einheimischen auch viel essen.

Mittwoch, Juni 09, 2004

Moyogalpa - Granada

Bereits um 6.45 Uhr (!) waren wir auf der Faehre zurueck zum Festland. Dort dann gleich wieder in ein Taxi zur Bushaltestelle. Der Bus nach Granada faehrt aber erst um 10.30 Uhr. Oh nein! Dann fahren wir eben Richtung Managua und steigen nochmal um. Wir sind doch nicht umsonst so frueh aufgestanden. Nach einer Stunde mussten wir umsteigen - unser Gepaeck schaffte das schneller als wir. Wir konnten gar nicht so schnell gucken wie die Jungs unsere Rucksaecke nach unten in die Arme eines anderen Jungens warfen, der dann mit dem Rucksack zum naechsten Bus lief. Ganz schoen fix die Kerle.
Da es schon am fruehen Morgen richtig heiss war, standen auch hier in dem Bus die Fenster sperrangelweit offen. So ein Fahrtwind tut doch wirklich gut! ... Aber iih, was ist das denn? Da werden wir doch glatt nass. Wo kommt das denn her? Es regnet doch gar nicht! Sicher ist oben auf dem Dach etwas ausgelaufen. Das Fenster wurde geschlossen und wir sassen im Trockenen. Es dauerte jedoch nicht lange und wir wussten, woher das Wasser kam - ein Schwein, das auf dem Dach transportiert wurde, hatte gemeint, sich seines Wassers entledigen zu muessen. Jetzt verstanden wir auch, warum jeder im Bus eben so gelacht hatte!!!

Bereits um 10.30 Uhr hatten wir uns in Granada einquartiert und machten uns gleich auf den Weg nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Hier wollten wir nun endlich unsere Fluege buchen und uns um das Vulkan-Skilaufen kuemmern. Doch das dauerte wesentlich laenger als erwartet. Zwar schafften wir es, den Flug zu buchen, aber was das Skifahren angeht, sind wir immer noch nicht schlauer. Dafuer muss man naemlich noch bis nach Leon fahren, von wo es angeboten wird.
Also zurueck nach Granada - dann muessen wir morgen eben mal telefonieren und sehen, wie gut wir uns am Telefon auf Spanisch verstaendigen koennen.

Granada ist die einzige Stadt, die noch in ihrer Original-Ansiedlung besteht und gilt als die aelteste Stadt in der westlichen Hemisphaere, da sie an dem gleichen Platz liegt wo sie im Jahre 1524 von Francisco Hernandez de Cordoba gegruendet wurde. Obwohl sie die meist bekaempfte Stadt von Piraten ist, in Zivilkriegen gepluendert wurde und von William Walker im Jahre 1856 zerstoert wurde, ist Granada eine der schoensten Staedte in Nicaragua. Die Stadt besticht durch viele bunte Gebaeude im Barrock- oder Renaissance-Stil, unter ihnen die herausstechende Iglesia de San Francisco im Kolonialstil, der aeltesten in Nicaragua. Und Granada ist wirklich schoen - so friedlich und ruhig. Wir kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus.

Montag, Juni 07, 2004

Tamarindo - Moyogalpa/Isla de Ometepe (Nicaragua)

Um kurz nach 9 Uhr sassen wir im Bus nach Liberia. Wir wollen Costa Rica heute verlassen und nach Nicaragua, das Land der Vulkane und Seen, reisen. Unser Plan war, bis nach Moyogalpa zu kommen... Unser Gepaeck mussten wir mit in den Bus nehmen. Klar doch, kein Problem, aber der Bus wurde immer voller und letztendlich sassen wir mit unserem schweren Rucksack auf dem Schoss gequetscht im Sitz. Es war total heiss, die Beine schliefen ein ... auf solche Busfahrten hatten wir uns doch in Mittelamerika gefreut!

In Liberia mussten wir dann laenger als geplant warten. Oh je, ob wir die letzte Faehre auf die Insel noch erreichen werden?? Sollte unser Plan etwa schon hier scheitern? Um 12.30 Uhr ging es los nach Penas Blancas, dem letzten Ort vor der Grenze zu Nicaragua. Wir konnten unser Gepaeck wieder im Gepaeckraum verstauen. Die Fahrt sollte zwei Stunden dauern, prima, so haben wir viel Zeit zum Lesen. Doch bereits nach knapp 1,5 Stunden waren wir da.

Ruckzuck hatten wir den Ausreisestempel und gingen zu Fuss ueber die Grenze nach Nicaragua. Fuer die Touristenkarte mussten wir 7$ zahlen und dann gab's auch den Einreisestempel. Schnell noch Geld gewechselt in der Bank nebenan und ein paar Touri-Blaetter an der Information geschnappt, dann ab in den naechsten Bus nach Rivas.
Ich (Nicole) las in den Blaettchen und war auf einmal ganz begeistert! Hier kann man auf einem Vulkan Ski fahren - allerdings nicht auf Schnee sondern auf Sand! Genial! Wo ist das? Cerro Negro, noch nie gehoert. Warum steht nichts davon in unserem Reisefuehrer??? Mehr Informationen dazu solls im Internet geben ... war klar, wo ich bald mal hin muss.

36km weiter stiegen wir aus dem Bus direkt in ein Taxi, das uns zur Faehre bringen sollte. Wir lagen wieder gut in der Zeit, verliessen das Festland mit einer Rostlaube - hier nennt man das wirklich noch Faehre :) - um 16.30 Uhr ueber den Lago de Nicaragua und waren etwa eine Stunde spaeter an unserem Tagesziel: Moyogalpa.

Der See ist mit 177km Laenge und einer durchschnittlichen Breite von 58km der drittgroesste See in Lateinamerika. Insgesamt fliessen 45 Fluesse in den See. Die Isla de Ometepe ("zwischen zwei Huegeln" in der Nahuatl-Sprache) ist die groesste Insel in dem See und von zwei Vulkanen umgeben: Vulkan Concepcion, 1610m, und Vulkan Madera, 1394m. Vulkan Concepcion ist noch immer aktiv, sein letzter Ausbruch liegt jedoch bereits 48 Jahre zurueck.
Auf Ometepe leben inzwischen ca. 50.000 Menschen, die sich mit Fischen, Bananen, Zitrusfruechten, Mais, Sesam und Bohnen den Lebensunterhalt verdienen. Ometepe ist bekannt fuer seine Steinstatuen und Petroglyphen (Felszeichnung) bekannt, die Menschen, Tiere und geometrische Formen, insbesondere Spiralen darstellen.

Die Stadt Moyogalpa hatten Ramona und ich schnell durchquert. Abendessen gab es im Restaurant unseres Hotels und wir verbrachten den Abend mit Lesen.

Samstag, Juni 05, 2004

Playa del Coco - Tamarindo

Es war schon um 8 Uhr so laut, dass wir nicht mehr schlafen konnten. Ausgerechnet heute, an einem Samstag! Wir troedelten lange rum, besuchten Kevin nochmal im Tauchshop und sassen endlich um 11.45 Uhr im Bus nach Filadelfia. Leider ohne die beiden Jungs von gestern.

In Filadelfia hatten wir etwa eine Stunde Aufenthalt bevor es weiter ging nach Tamarindo. Die Fahrt war ziemlich ruckelig und es war so heiss, dass wir froh waren, endlich aussteigen zu duerfen.
Sofort wurden wir von Victoria, einer Italienerin angesprochen, die uns ein Zimmer fuer 10$ pro Person anbot. Ui, das ist aber ziemlich teuer... aber mit Kueche, heissem Wasser, sauber, sicher, ... Wir liessen uns ueberreden und schauten es uns an. Die Preise der Restaurants ueberzeugten uns davon, dass es hier am besten ist, sich selbst zu versorgen. Also buchten wir das Zimmer fuer eine Nacht!

Wir kauften im Supermarkt Lebensmittel ein und machten uns anschliessend zum Strand. Hier roch es unangenehm nach Fisch und wirklich schoen war es nicht. Also gleich weiter zum Nationalpark, wo wir eigentlich Schildkroeten sehen wollten - aber es ist momentan keine Saison. Aber wir kamen eh nicht weit, denn es fing gewaltig an zu regnen. Fast eine Stunde hatten wir uns irgendwo untergestellt ... dann wurde es auch schon dunkel und wir machten uns auf den Heimweg! Ein wirklich erfolgreicher Tag! Ob wir nicht doch noch eine Nacht bleiben sollten und wenigstens morgen surfen sollten? Wir fanden ein Angebot fuer 20$/2 Stunden ... morgen um 14 Uhr geht's los!

Zu Abend gab es leckere Nudeln mit Kaesesosse und wir waelzten bis Mitternacht unsere Reisebuecher und stellten einen Plan zusammen, wie wir in den verbleibenden Wochen weiter reisen werden. Das war natuerlich ganz neu fuer uns, denn so sind wir bisher noch nicht gereist ... Mal sehen, wie lange unser Plan haelt!

Donnerstag, Juni 03, 2004

La Fortuna - Playa del Coco

Heute wollen wir nach Playa del Coco. Dort soll die schoenste Tauchgegend in ganz Costa Rica sein, da muessen wir also hin! Ein langer Tag in vier verschiedenen Bussen stand uns bevor:

08.20 - 11.20 Uhr: La Fortuna - Tilaran
11.30 - 12.15 Uhr: Tilaran - Canan
13.00 - 14.25 Uhr: Canan - Liberia
14.30 - 15.30 Uhr: Liberia - Playa del Coco

Wir waren ueberrascht, wie zuegig das alles ging und wir mussten wirklich nirgends laenger als ein paar Minuten auf den Anschlussbus warten.

Playa del Coco ist ein kleiner Ort an der Pazifikkueste. Leider auch hier ziemlich touristisch, was man allerdings von den Unterkuenften nicht gerade behaupten kann. Das sauberste - sauber und unser Zimmer ist nicht das gleiche - fuer 8$/Person!! Hammerpreise. Aber es soll ja nur fuer eine Nacht sein.

Viel zu sehen gab es nicht und so haben wir das Tauchen fuer morgen klar gemacht und hatten eine fruehe Nacht.

Dienstag, Juni 01, 2004

Manuel Antonio - San Jose

Bereits um 7.45 Uhr waren wir am Eingang zum Manuel Antonio Nationalpark. Das ist der kleinste und populaerste Nationalpark in ganz Costa Rica. Da aber in der Vergangenheit zu viele Besucher kamen und somit immer mehr Hotels gebaut wurden, hatte das grossen Einfluss auf die wild lebenden Tiere und die Umgebung. Aus diesem Grund ist nun der Park montags geschlossen und an den anderen Tagen auf 600 Besucher begrenzt.

Am Eingang stehen die Tourguides, die uns eine professionelle Tour anboten. Gar kein Zweifel, dass sie professionell sind, aber 20$ pro Person? Ich glaube, es geht los! Wir gehen auf eigene Faust los. Unsere Mission lautete: Findet ein Faultier ohne Tourguide! Ramona war schon ganz aufgeregt, sie wollte schon immer mal ein Faultier in Natur sehen. Hier in Mittelamerika hat sie nun die Chance. Aber es ist gar nicht so einfach ... doch wir sind ja nicht dumm! Wir liefen langsam durch den Park, vor uns ein Tourguide mit Gruppe, hinter uns ein Tourguide mit Gruppe. Da wo sie stehen bleiben, muss es etwas zu sehen geben. Tja, und so sahen wir tatsaechlich unser erstes Faultier. Es lag im Baum und bewegte sich nicht. Im Tarnen sind die Faultiere Weltmeister, sie sind fast nicht von Termitennestern zu unterscheiden.
Wir verbrachten mehr als 3 Stunden in dem Nationalpark und fanden am Ende sogar zwei Faultiere ohne Hilfe. Also hatten wir doch recht: Was brauchen wir einen Tourguide??

Um 12 Uhr dann sassen wir bereits im Bus nach San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, mit 330.000 Einwohnern. San Jose soll fuer uns aber nur Zwischenstation sein, denn wir fahren morgen schon weiter nach La Fortuna.

Wir hatten uns eine Unterkunft in der Naehe des Busterminals ausgesucht, mit nicht mal 5$ fuer zwei Personen wirklich guenstig. Aber so sah das Zimmer auch aus - wie eine ehemalige Gefaengniszelle. Hat das etwa was mit Ramonas Traum von vor ein paar Tagen zu tun??? Was haben wir wohl verbrochen? Doch es soll ja nur fuer eine Nacht sein. Hoffentlich!

Wir liefen etwas durch San Jose. Auch hier gibt es wieder eine Fussgaengerzone und wir fuehlten uns gleich wie in Trier. Ueberall kommen uns Menschen entgegen und es ist ziemlich hektisch, man muss aufpassen, dass man nicht staendig angerempelt wird. Wirklich vermisst haben wir das nicht!

Informationen zum Faultier:

Das Faultier bewegt sich ausschließlich im Zeitlupen-Tempo - immer mit dem Rücken nach unten und dem Bauch nach oben. Dieses träge Dahinbewegen verlieh dem Tier auch seinen Namen. Es gilt als das langsamste Säugetier der Erde. Im Geäst der Baumkronen bewegt es sich mit einem Tempo von durchschnittlich 0,27 km/h (ca. 270 m pro Stunde).

Um ein Bein vor das andere zu stellen, braucht es bis zu 1 1/2 Minuten. Am Boden auf dem Bauch liegend können sie sich mühsam vorwärts ziehen, wobei sie für 120 bis 200 m eine Stunde brauchen. Im Wasser erweisen sie sich jedoch als recht gute Schwimmer.

Das Faultier gibt noch heute viele Rätsel auf. Bis heute ist nicht einmal sicher, wie alt Faultiere überhaupt werden können, vermutlich 30 - 40 Jahre. Sie werden etwa 10 kg schwer. Die Faultiere gehören zur Familie der Zahnarmen.

Faultiere sind Hängekletterer mit rundem, affenähnlichem Kopf. Der Kopf ist ausgesprochen beweglich. Er kann wie bei Vögeln um 180° auf den Rücken gedreht werden. Ihre Ohren sind im Pelz verborgen. Sie haben starke Sichelkrallen und einen dichten, langhaarigen Pelz. Sie haben keine Schneidezähne und sind Blätterfresser.

Das Faultier bewegt sich so langsam, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen und dementsprechend weniger fressen zu müssen. Die Muskulatur ist nur halb so stark ausgebildet wie bei den meisten anderen Säugetieren. Es kann eine ganze Woche dauern, bis ihre Nahrung durch das Verdauungssystem gewandert ist. Der dicke Pelz verringert den Wärme- bzw. Energieverlust.

Wenn Faultiere schlafen (rund 15 Stunden am Tag), hängen sie in den Ästen der Bäume. Sie benötigen kein Nest oder einen anderen festen Schlafplatz. Sie schützen sich, indem sie Kopf und Beine zu einer Kugel zusammenziehen. In dieser Stellung schlafen sie sicher und geschützt. Durch ihr Haarkleid mit dem leicht grünlichen Schimmer sind die Tiere in den Baumwipfeln sehr gut getarnt.

Sonntag, Mai 30, 2004

Chirripo Base Camp - San Isidro

2.45 Uhr - endlich, der Wecker klingelt. Ich (Nicole) hatte seit 21.20 Uhr kein Auge mehr zugemacht. Ob das an der Hoehe lag? Wir machten uns startklar und um 3.20 Uhr ging es los.

Es war natuerlich noch stockdunkel draussen, einige Sterne waren zu sehen. Vielleicht bekommen wir ja tatsaechlich einen schoenen Sonnenaufgang zu sehen. Im Schein unserer Taschenlampen liefen wir los. Wie bei der Besteigung des Mt. Fuji ... alte Erinnerungen wurden wach! Hoffentlich wird es nicht wieder so anstrengend!!

Es fing jedoch schon gleich mit einem steilen Stueck an. Na, das kann ja heiter werden. Zwar sollen es nur noch 5,1 km bis zum Gipfel sein, aber das waren auch 427 Hoehenmeter! Und das soll man in zwei Stunden schaffen?
Wir waren noch keine Viertelstunde unterwegs, da trafen wir auf das kanadische Paerchen, das wir schon gestern gesehen hatten. Ihre Taschenlampe hatte den Geist aufgegeben! Wie bitte? Wie kann man denn nachts auf einen Berg kraxeln wollen und kein Licht dabei haben? Wir verstanden die Welt nicht mehr! Aber natuerlich konnten sie mit uns laufen ... aber unser Tempo war ihr nicht passend. Wir mussten schon bald eine Pause einlegen. Oh je ...

Um 4.11 Uhr erreichten wir das erste Hinweisschild, noch 2,8 km bis zum Gipfel. Die Hoehe war leider nicht angegeben. Aber 2,8 km, das ist ja nicht mehr so weit. Aber es wird steil sein und somit mindestens eine Stunde dauern. Ein letztes Schild, das uns den Weg zum Gipfel zeigte, sahen wir um 5.12 Uhr. Doch auch hier keine Hoehenangabe. Wirklich noetig war das allerdings nicht, denn das Gipfelkreuz war bereits zu sehen und es sah verdammt steil aus!
Langsam zeigte sich bereits die Sonne hinter einem anderen Berg und wir erlebten einen wunderschoenen Sonnenaufgang. Wir hatten Glueck, dass kaum Wolken am Himmel waren.
Los aber jetzt, auf zum Endspurt. Die deutschen Jungs waren schon halb oben. Wir folgten und wir merkten, wie die Luft immer duenner wurde. Doch fast noch mehr zu schaffen machten mir die hohen Stufen. Ich war so froh, dass man teilweise richtig klettern, die Haende einsetzen musste, denn so konnte ich mich mit den Armen hochziehen. Langsam, ganz langsam naeherte ich mich dem Gipfel. Wo aber bleibt Ramona? Ich konnte sie gar nicht mehr sehen. Ich musste aber weiter gehen, war relativ gut im Tritt. Nur ab und zu musste ich stehen bleiben, um kurz zu verschnaufen. Ramona wird sich ihre Kraefte schon einteilen. Sie ist doch auch ein alter Berghase!
Um 5.32 Uhr hatte ich es geschafft, den Chirripo erklommen. Ramona folgte ein paar Minuten spaeter. Auf 3.820 m befanden wir uns nun und waren stolz wie Oskar. Die Aussicht liess uns mal wieder alle Strapazen der vergangenen Stunden vergessen. Da es jedoch sehr windig und saukalt war - uns fielen fast die Finger ab - machten wir uns schon bald wieder an den Abstieg.

Wir erreichten das Base Camp um 7.30 Uhr, packten unsere restlichen Sachen ein und staerkten uns nochmal mit einem heissen Kakao. Um kurz nach 8 Uhr machten wir uns an den langen Fussmarsch zurueck nach San Gerardo.
Wir hatten schoenes Wetter, die Sonne schien und bei uns lief alles wie am Schnuerchen. Wir kamen wirklich gut voran, auch wenn Ramona nach 5 km bereits ueber ihre schmerzenden Fusssohlen klagte. Nach nur 2,5 Stunden hatten wir die Haelfte hinter uns und wir goennten uns eine lange Pause. Die deutschen Jungs sassen auch wieder bei uns und zusammen setzten wir unseren Rueckweg fort. Ramona ging vor und gab das Tempo an, die Jungs folgten uns erst noch, doch bald schon hatten wir sie abgehaengt. *grins*
Wenn Ramona dieses Tempo beibehaelt, sind wir wirklich richtig gut. Doch nicht nur der ueberaus matschige Weg, nein auch unsere Fuesse bzw. Knie machten uns schwer zu schaffen. Es waren noch ca. 7 km, da wollten auch meine Knie nicht mehr. Jeder Schritt war ein Stich mit dem Messer ins Knie. Ramona ging es auch nicht gut.
Wir sprachen nicht mehr miteinander. Jeder war fuer sich mit seinen eigenen Schmerzen beschaeftigt. Ich versuchte, mich abzulenken - wie gerne wuerde ich jetzt in der Sandkaul sitzen, mit den Frauen Uno spielen und einen Pott Viez-Limo trinken - doch alles half nur fuer Sekundenbruchteile. Die Meter zogen sich endlos lange hin. Aber was nutzte es. Irgendwie musste es doch gehen. Wie sehr wir uns das naechste km-Schild herbei sehnten... und wie gross die Enttaeuschung, wenn es nach der naechsten Kurve immer noch nicht zu sehen war. Die Zeit verrann wie im Fluge, doch Meter machten wir keine.
Ich schaute irgendwann nur noch auf den Boden, wollte sicher gehen, dass ich auch bloss nicht ausrutsche oder umknicke. Doch das bereitete mir Genickschmerzen und ich verkrampfte meine Schultern. Von den Blasen an den Fuessen ganz zu schweigen.
Ramona kam schneller voran als ich, innerhalb von Sekunden war sie mehrere Schritte voraus. Zum ersten Mal war fuer mich der Abstieg schlimmer als der Aufstieg.

Wir waren uebergluecklich, als wir um 13.39 Uhr Kilometer 0 erreichten. Doch wie weit ist es jetzt eigentlich noch zum Hostel?? Wir konnten uns nicht mehr erinnern. Bis 14 Uhr wollte ich am Hostel sein, doch es war schnell klar, dass das nicht zu schaffen war. Unser Bus nach San Isidro faehrt um 16 Uhr - ob wir das wohl schaffen werden? Wir hatten Glueck ... ein Einheimischer musste Mitleid mit uns gehabt haben, er gabelte uns unterwegs auf und fuhr uns die letzten Kilometer zu unserem Hostel.

Total erschoepft und muede setzten wir uns hin. Muede, kaputt, voller Schmerzen. Wir wollten uns nicht mehr bewegen. Heute gibt es einen ruhigen Abend im Hotel in San Isidro. Darauf freuten wir uns!

Um 16 Uhr ging es wieder zwei Stunden mit dem Bus zurueck nach San Isidro. Gott sei Dank war es vom Busterminal bis zum Hotel nicht so weit - mit dem schweren Rucksack lief es sich noch besch....er. Wir erhielten das gleiche Zimmer. Das Treppen steigen war eine Qual. Dennoch machten wir uns nochmal auf den Weg, um Nudelsuppen zu besorgen. Nach einer lauwarmen Dusche goennten wir uns diese zum Abendessen.
Wie froh wir waren, dann endlich im Bett zu liegen und uns nicht mehr bewegen zu muessen.

Freitag, Mai 28, 2004

San Isidro - San Gerardo de Rivas

Es war schon nach Mitternacht und wir schliefen immer noch nicht. Draussen goss es wie aus Eimern und wir waren froh, im warmen Bett zu liegen. Hoffentlich regnet es nicht so, wenn wir den hoechsten Vulkan Costa Ricas, den Chirripo, hochkraxeln wollen. Irgendwann muessen wir wohl doch eingeschlafen sein.

Unser erster Weg am morgen war zur Bank. Wir wollen unsere US-Dollar in Colones umtauschen. Wir mussten erst einmal lange anstehen. Die Wartelinie war wie am Flughafen auf dem Boden vorgegeben. Nach einer knappen halben Stunde - Gott sei Dank hatten sie hier einen Fernseher - waren wir dran. Das Umtauschen war mit Personalausweis nicht moeglich, nur der Reisepass wurde akzeptiert. Alles muss seine Richtigkeit haben ...

Der naechste Weg ging zur Post. Wir wollten zwei kleine Paeckchen verschicken. Wieder mussten wir anstehen. Als wir an der Reihe waren, erfuhren wir, dass wir Umschlaege auf der Post nicht kaufen koennen. Dafuer muessen wir in das Geschaeft, 50m zurueck! Also wirklich ...

Im Supermarkt kauften wir uns dann noch Verpflegung fuer unsere morgige Wandertour. Ruckzuck war es 12 Uhr und Zeit zum Auschecken. Da es schon wieder regnete und unser Bus erst um 14 Uhr fuhr, nutzten wir die Zeit fuer unser Fruehstueck. Kalte Pizza - der Rest von gestern. Wie lecker!

Die Busfahrt nach San Gerardo dauerte 2 Stunden. In der Unterkunft El Bosque soll's sogar heisses Wasser geben ... Fehlanzeige! In der Ranger Station gegenueber bezahlten wir den Eintritt fuer den Nationalpark und buchten die Nacht im Chirripo Base Camp, wo wir morgen uebernachten wollen.

Heute war frueh schlafen angesagt, da der Wecker bereits um 4.30 Uhr klingeln wird.